Schlagwort: Bündnis Herne

  • Logo Bündnis Herne mit Geburtstagstorte anlässlich des Jahrestages der Gründung der Initative

    Ein Jahr Bündnis Herne – ein Grund zu feiern.

    Oder nicht?

    Heute vor genau einem Jahr hat die erste Veranstaltung des Bündnis Herne stattgefunden. Der Anlass war ganz sicher kein Grund zum Feiern:
    Eine Gruppe schwarz gekleideter Männer hatte seit Anfang August 2019 damit begonnen, „Spaziergänge“ über die Bahnhofstraße zu unternehmen, vom Europaplatz vor der Kreuzkirche zum Bahnhof und zurück. Ihr Anliegen machten sie während ihrer „Spaziergänge“ nicht deutlich. Ein bei Facebook verbreiteter Aufruf ließ jedoch nichts Gutes vermuten: Es ging irgendwie um die „Sicherheit auf unseren Straßen“, im Zusammenhang mit Hetze gegen Flüchtlinge. Teilnehmer dieser „Spaziergänge“ waren u. a. Neonazis aus der rechten Hooliganszene aus Herne, Mitglieder der Bruderschaft Deutschland und die „Steeler Jungs“ aus Essen.

    Am 20.08.2019 trafen sich nicht nur „Wutbürger“ in Herne, sondern vor allem „Mutbürger“ mit Zivilcourage:

    Vor genau einem Jahr haben sich etwa 500 Menschen auf dem Robert-Brauner-Platz versammelt, um diesem rechtsradikalen Mob aus Herne und Umgebung den Marsch durch die Bahnhofstraße zu verwehren! Und das nach nur gerade einmal zwei Tagen Vorbereitungs- und Mobilisierungszeit! Wir standen auf dem Robert-Brauner-Platz und hatten eigentlich nichts: keine Musik, keine Anlage, keine Reden … es gab Flyer, Blumen und Käsebrötchen. Ihr wart alle da und seid geblieben, bis klar war, dass die Polizei die rechte Veranstaltung auf dem Europaplatz vor der Kreuzkirche aufgelöst hatte.

    Pfarrer Kornelius Heering hat mit seinen Kolleginnen, den Pfarrerinnen Melanie Jansen und Katja Lueg, gemeinsam mit ca. 50 Gemeindemitgliedern ein spontanes Open-Air-Friedensgebet veranstaltet, inklusive anhaltendem Glockengeläut. Ihnen gegenüber standen etwa 120 rechte Marschierer die ungeduldig auf ihren „Spaziergang“ warteten. Darunter waren auch die Dortmunder Neonazi-Größen Michael Brück und Siegfried Borchardt, genannt „SS-Siggi“.

    Dieser vielfältige Einsatz unterschiedlicher Menschen für Frieden und Vielfalt in unserer Stadt war die Geburtsstunde des Bündnis Herne als breites zivilgesellschaftliches Bündnis: Neben den Vertreter*innen verschiedener demokratischer Parteien und Gewerkschaften sowie dem Kulturell-Alternativen Zentrum (KAZ) ist bis heute eine große Zahl von Privatpersonen beteiligt. Partei- und Gewerkschaftszugehörigkeiten spielen in allen Diskussionen eine untergeordnete Rolle. Fast von Anfang an dabei sind auch die christlichen Kirchen Hernes; seit längerem ist zudem die Islamische Gemeinde Röhlinghausen fester Bestandteil des Bündnis Herne. In mehr oder weniger loser Kooperation wissen wir uns außerdem unterstützt von einer ganzen Reihe weiterer Herner Vereine und Institutionen.

    Auf dieser breiten Grundlage und mit eurer großartigen Unterstützung haben wir uns gemeinsam dem Aufmarsch der Rechtsradikalen in den Weg gestellt, sieben Monate lang, auch bei Regen, Wind und Kälte – Woche für Woche waren wir da – beginnend mit dem Friedensgebet auf dem Europaplatz und der anschließenden Kundgebung auf dem Robert-Brauner-Platz. Nach und nach verlor der rechte Herner Mob immer mehr die Unterstützung von außen, bis er im Februar schließlich die öffentlichen Aktivitäten einstellte.

    Und das ist nun wirklich in der Tat ein Grund zum Feiern:
    Die Hernerinnen und Herner haben mit sehr viel Ausdauer bewiesen, dass in unserer Stadt kein Platz ist für rechte Hetze. Wir stehen miteinander ein für eine offene, tolerante und friedliche Zivilgesellschaft in Herne!
    Hinzuzufügen ist ein „Aber …“.

    Nur weil die rechten Hetzer aufgehört haben zu marschieren, sind sie nicht weg und ihre Ideen genauso wenig. Sie leben mitten unter uns, sind Nachbar*innen, Kolleg*innen, Freund*innen, Familienangehörige. Wir haben gesehen, dass uns bekannte Personen aus dem rechtsradikalen Umfeld Hernes versucht haben, in Nachbarstädten Fuß zu fassen; sie haben sich den „Hygienedemos“ z.B. in Bochum angeschlossen und waren z.T. auch am 01.08.2020 bei der großen Demo in Berlin dabei.

    Aufhören ist für uns daher keine Option.

    Das hatten wir tatsächlich schon bei der Gründung des Bündnis Herne vor einem Jahr im Hinterkopf: Wir wollten langfristig daran mitwirken, die Zivilgesellschaft und das demokratische Bewusstsein in Herne zu stärken.
    Bedingt durch die hohe Schlagzahl bis März konnten wir in dieser Hinsicht noch nicht so aktiv werden, wie wir uns das vorgestellt hatten. Anschließend hat uns – wie vielen anderen auch– Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht.

    Wie ihr seht, sind wir aber nach wie vor aktiv, und mit uns ist weiterhin zu rechnen!

    Und mit euch offenbar auch! Lasst uns heute alle miteinander unser gemeinsames Engagement feiern!
    Schön, dass ihr da seid – viel Spaß mit unserem bunten Programm!

  • Rednerin des Bündnis Herne zu der Buchvorstellung "Zehn Regeln für Demokratie-Retter"

    Zehn Regeln für Demokratie-Retter

    Wir als Bündnis Herne wollten nicht nur den Aufmarsch des rechtsradikalen Mobs verhindern.

    Wir möchten langfristig daran mitwirken, die Zivilgesellschaft und das demokratische Bewusstsein in Herne zu stärken.
    In diesem Zusammenhang sind wir im vergangenen Jahr auf ein Buch gestoßen, von dem wir denken: „Das passt zu uns!“ Es heißt „Zehn Regeln für Demokratie-Retter“, der Autor ist der Journalist und Philosoph Jürgen Wiebicke.
    Der eine oder die andere von euch kennt es möglicherweise schon, denn es ist bereits 2017 erschienen. Es hat jedoch in der Zwischenzeit nichts an Aktualität eingebüßt.
    Wiebicke treibt die Frage um, wie wir jenseits der Wahlkabine die Substanz unserer Demokratie gegen ihre Verächter verteidigen können. Das allein „der Politik“ zu überlassen, ist für ihn nicht die richtige Antwort.
    Daraus ist ein unkompliziert zu lesendes Buch entstanden. Es soll ausdrücklich kein „Werkzeugkasten“ sein, keine Checkliste, die abgearbeitet werden muss. Es soll mithelfen, das Gefühl wieder zu stärken, dass das eigene Handeln zählt.
    Auch wenn nicht jeder von Wiebickes Gedanken und Vorschlägen ungeteilte Zustimmung finden wird: Immer fordert er zu eigenem Nachdenken heraus, dazu, persönliche Schlüsse zu ziehen für das eigene Handeln.
    Mehr wollen wir an dieser Stelle zum Inhalt nicht verraten, denn wir empfehlen euch, es selbst zu lesen.

    Warum passt das Buch zu uns?

    Das Motto des Bündnis Herne lautet „Mitmachen. Mitreden. Miteinander“: Wir wollen das Handeln nicht allein anderen überlassen, sondern selbst Akzente setzen. Und ihr habt es durch die Teilnahme an unseren Veranstaltungen gezeigt: Auf dem Sofa verharren und von dort aus schimpfen ist auch eure Sache nicht. Aus persönlichen Gesprächen mit vielen von euch wissen wir außerdem, dass ihr auf dem einen oder anderen Gebiet sehr engagiert seid.

    Zu unserer heutigen Veranstaltung passt es außerdem aus mehreren Gründen:
    Da sind zum einen die anstehenden Kommunalwahlen am 13. September:
    Wir rufen euch auf, euer Wahlrecht verantwortungsvoll wahrzunehmen. Wir werden keine konkrete Wahlempfehlung für oder gegen eine bestimmte Partei aussprechen. Aber wir bitten euch: Prüft das Angebot, verteidigt in der Wahlkabine die Substanz unserer Demokratie!
    Das gleiche gilt natürlich für die Wahlen zum Ruhrparlament und zum Integrationsrat.
    Zum anderen hatten wir schon vor einiger Zeit geplant, euch dieses Buch zu schenken – als Anregung für euer und Bestärkung in eurem Engagement jenseits der Wahlkabine, oder auch als Aufhänger für Diskussionen in eurem Umfeld. Lange haben wir auf diese Gelegenheit warten müssen. Aber gerade jetzt, in gesellschaftlich und politisch herausfordernden Zeiten, passt es nun eigentlich besonders gut.
    Nutzen wir also unseren Geburtstag als gute Gelegenheit, mit diesem kleinen Geschenk „danke“ zu sagen für eure großartige Unterstützung!

    Wir laden euch ein, während der nächsten Musikeinlage zu uns an die Infotheke zu kommen und euch ein Exemplar abzuholen.
    Bitte achtet dabei auf die Einhaltung der Abstandsregeln.

    Bedanken möchten wir uns auch beim Verlag Kiepenheuer & Witsch. Die Verantwortlichen waren von der Idee, die „Zehn Regeln für Demokratie-Retter“ im Rahmen einer unserer Veranstaltungen zu präsentieren, sehr angetan und haben unsere Bestellung daher mit einem Rabatt unterstützt.

    Vielen Dank!

  • SharePic zum Livestream "Glänzende Aktionstage zum Tag der Befreiung"

    Rückblick: Glänzendes Programm im Livestream zum „Tag der Befreiung“

    Liebe Bündnisfreund:innen,

    gemeinsam mit dem LWL-Museum für Archäologie Herne haben wir ein über dreistündige Livesendung ins Internet gebracht.

    Das war spannend, denn niemand von uns hatte damit bislang Erfahrung.

    Nach den Wochen der Vorbereitung und Umsetzung können wir festhalten:

    Die Arbeit hat sich gelohnt!

    Wie versprochen ist die Aufzeichnung des Livestreams auch zukünftig verfügbar, sowohl hier bei Facebook als auch bei Youtube.

    Einige Beiträge konnten wir am Samstag leider nur in gekürzter Form verwenden, die Langfassung findet ihr demnächst ebenfalls hier.

    Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei allen Mitwirkenden bedanken, die uns auf unterschiedliche Weise unterstützt und zum Gelingen unseres glänzenden Aktionstages beigetragen haben:

    Für die finanzielle Förderung bei „Demokratie leben!“

    Für Beiträge, die wir in unserem Livestream verwenden durften bzw. die eigens hierfür produziert wurden bei der DGB-Geschichtswerkstatt, dem Förderkreis Mahn- und Gedenkstätte Polizeigefängnis Herne e.V., dem Mondkanal, Ralf Piorr, dem Eine Welt Zentrum, dem Literaturhaus Herne Ruhr e.V., dem CVJM Posaunenchor Herne.

    Bei unseren Studiogästen: Dr. Manuel Zeiler, Ralf Piorr und Martin Domke (Leiter Eine Welt Zentrum)

    Und nicht zuletzt bei Edy Edwards für die großartige musikalische Unterstützung und Jessica für die Fotos während der Aufzeichnung.

    Ein ganz großer Dank geht zudem nach Dortmund an Headframe Pictures für die professionelle Betreuung rund um die Produktion!

  • Hetham Hassan (Änderungsschneiderei Teli) bei der Übergabe der Masken

    Mund-Nasen-Maskenspende

    In den letzten Tagen und Wochen…

    … hat Hetham Hassan von der Änderungsschneiderei Teli (Behrensstraße) Unmengen an Mund-Nasen-Masken genäht und an viele öffentliche Stellen und karitative Organisation gespendet, das alles weitgehend ohne finanzielle Unterstützung!

    Das Bündnis Herne hat nun durch Stoffspenden dazu beigetragen.

    Am vergangenen Montag haben wir gemeinsam mit Hetham die dringend benötigten Mund-Nasen-Masken an die Suppenküche Herne e.V. und an die GFS Gesellschaft freie Sozialarbeit e.V
    übereicht.

    Wir freuen uns, dass wir auf diese Weise beide Vereine in ihrer wichtigen Arbeit unterstützen können und danken Hetham für seinen unermüdlichen Einsatz!

    Hetham näht übrigens weiter Mund-Nasen-Masken – diese können in seiner Schneiderei käuflich erworben werden (neben den üblichen Dienstleistungen einer Schneiderei).

  • Markus Vordenbäumen (Bündnis Herne) auf der Kundgebung

    Hanau

    Mein Name ist Markus Vordenbäumen.

    Ich bin von Anfang an Anfang hier im Bündnis aktiv und wollte heute eigentlich nur ein paar Wörter über meine persönliche Motivation sagen und Ihnen mitteilen, wie viel Hoffnung es mir in Hinblick auf unsere Gesellschaft geben hat, mit den Menschen im Bündnis und Ihnen hier auf den Herner Plätze für eine offene und tolerante Gemeinschaft einzustehen.

    Dann kamen der Abend und die Nacht.

    Hanau

    Wir müssen wieder Opfer eines abscheulichen und rassistischen Anschlag betrauern.

    Ich bin entsetzt, traurig und wütend.

    Wie viele Opfer rechtsradikaler Gewalt müssen wir noch ertragen?

    Erst vor wenigen Tagen wurde eine Gruppe festgenommen, die offensichtlich genau diese Art von Anschlägen geplant hat. 

    Nun ist es passiert.

    Menschen wurden aus ihrem Leben gerissen, nur auf Grund von Hass.

    Teile der Gruppe, die verhaftet wurden, sollen in Verbindung mit der sogenannten „Bruderschaft Deutschland“ stehen. Mitglieder dieser Bruderschaft haben auch in Herne die Aufmärsche organisiert oder waren zumindest auch hier präsent.

    Hanau ist auch Herne.

  • Teilnehmende auf der Kundgebung mit dem Pavillon des Bündnis Herne im Hintergrund

    Stellungnahme des Bündnis Herne zu den Vorgängen in Thüringen

    Wir vom Bündnis Herne schauen fassungslos und entsetzt nach Thüringen, 

    wo in der vergangenen Woche der FDP-Abgeordnete Kemmerich zum Ministerpräsidenten gewählt wurde. Dies war nur mit Hilfe der Stimmen der AfD möglich.

    Das Bündnis Herne ist keine politisch homogene Gruppe, das heißt, unsere Sicht auf die Situation in Thüringen ist individuell sehr unterschiedlich.

    Einig sind wir uns aber in folgenden Punkten:

    1. Diese Wahl ist ein Schlag ins Gesicht aller demokratisch und antifaschistisch eingestellten Menschen, die sich dem gesellschaftlichen Rechtsruck entgegenstellen.
      Sie ist ein Schlag ins Gesicht all derer auch hier in Herne, die den Rechtsradikalen Woche für Woche den Weg durch die Innenstadt versperren. Für uns wurde hier ganz klar eine rote Linie überschritten:
      Man lässt sich nicht von Faschisten ins Amt wählen.
    2. Wir sind fassungslos über die Instinktlosigkeit, mit der in Thüringen sowohl im Vorfeld als auch nach der Wahl des Ministerpräsidenten vorgegangen wurde:
      Es wurde gekungelt, ahnungslos getan, anschließend gelogen, dann doch ein bisschen eingeräumt – und nun ist man von der Wucht der Reaktionen überrascht.
    3. Dass die Protagonisten ihre Rückzüge aus Funktionen und Parteiämtern angekündigt haben, begründen sie mit dem Schaden, den es nun von ihren Parteien abzuwenden gilt. Wir empfinden es als beschämend, dass bei diesen Entscheidungen offenbar der Blick auf die Umfragewerte und die nächsten Wahlen den Ausschlag gegeben hat und nicht etwa die Erkenntnis, persönlich ganz und gar unanständig gehandelt zu haben.

    „Wehret den Anfängen!“

    Diese Mahnung haben wir alle mit auf den Weg bekommen.

    Spätestens nach diesem politischen Dammbruch muss allen klar sein:

    Die Zeit zu handeln ist jetzt!

    Unser erstes Ziel war es, die rechtsradikalen Aufmärsche hier in Herne zu verhindern. Das haben wir möglicherweise bald erreicht.

    Von Anfang an ging es uns aber auch darum, uns nachhaltig für eine tolerante, zivilisierte und anständige Gesellschaft einzusetzen.

    Die Ereignisse in Thüringen bestätigen uns darin, dass unsere Aktivitäten notwendiger sind denn je.

    Vielen Dank für Ihre und eure großartige Unterstützung!

  • Tuncay Nazik von der Islamischen Gemeinde Röhlinghausen e.V.

    Warum ich ein besorgter Bürger bin

    Ja, ich gebe zu: Auch ich bin ein besorgter Bürger.

    Und ich möchte, dass meine Sorgen genauso ernstgenommen werden, wie es die AfD- und Pegida-Anhänger für ihre vermeintlichen Ängste einfordern.

    Ja, ich mache mir Sorgen, wenn meine Religion von Terroristen missbraucht wird.

    Ja, ich mache mir Sorgen, wenn ausländische Konflikte nach Deutschland übertragen werden.

    Ja, ich mache mir Sorgen, dass Einsatzkräfte, Polizei, Feuerwehr oder Ärzte immer mehr angegriffen werden.

    Ja, ich mache mir Sorgen, wenn seit 2016 125 Straftaten gegen Mandatsträger ausgeübt wurden. 

    Ich mache mir aber mehr Sorgen darüber, wenn etablierte politische Parteien sich mit Faschisten einlassen und mit deren Stimmen Ministerpräsident werden.

    Ich mache mir Sorgen, wenn in Deutschland innerhalb eines Jahres 110 Angriffe auf Moscheen registriert werden und das kaum in den Medien erwähnt wird.

    Ich mache mir Sorgen, wenn auf offener Straße Kippa tragende Juden oder Kopftuch tragende Mädchen angespuckt oder beleidigt werden.

    Ich mache mir Sorgen, wenn an dem Tag der Auschwitz Befreiung hochrangige Politiker direkt auf Muslime zeigen und die Worte „Nationalsozialismus“ oder „Deutschland“ nicht einmal erwähnen, obwohl der Holocaust ein deutsches Verbrechen und kein muslimisches war. 

    Ich mache mir Sorgen, wenn Sätze wie die folgenden gesagt werden dürfen:

    • “Bescheidenheit bei der Entsorgung von Personen ist unangebracht” (Jörg Meuthen, AfD)
    • „Homosexuelle ins Gefängnis? Das sollten wir in Deutschland auch machen! (Andreas Gehlmann, AfD)
    • „Ich würde niemanden verurteilen, der ein bewohntes Asylantenheim anzündet.“ (Marcel Grauf, Referent von Dr. Christina Baum, AfD und Heiner Merz, AfD)
    • „Wir sollten eine SA gründen und aufräumen!“ (Andreas Geithe, AfD)
    • „Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet!“ (Markus Frohnmaier, AfD)
    • „Brennende Flüchtlingsheime sind kein Akt der Aggression.“ (Sandro Hersel, AfD)
    • „Das große Problem ist, dass man Hitler als das absolut Böse darstellt.“ (Björn Höcke, AfD)
    • „Das Pack erschießen oder zurück nach Afrika prügeln.“ (Dieter Görnert, AfD)
    • „Immerhin haben wir jetzt so viele Ausländer im Land, dass sich ein Holocaust mal wieder lohnen würde.“ (Marcel Grauf, Referent von Dr. Christine Baum, AfD und Heiner Merz, AfD)
    • „Ich wünsche mir so sehr einen Bürgerkrieg und Millionen Tote. Frauen, Kinder. Mir egal. Es wäre so schön. Ich will auf Leichen pissen und auf Gräbern tanzen. SIEG HEIL!“ (Marcel Grauf, Referent von Dr. Christina Baum, AfD und Heiner Merz, AfD)
    • „Wir müssen ganz friedlich und überlegt vorgehen, uns ggf. anpassen und dem Gegner Honig ums Maul schmieren aber wenn wir endlich soweit sind, dann stellen wir sie alle an die Wand. (…) Grube ausheben, alle rein und Löschkalk oben drauf.“ (Holger Arppe, AfD)

    Ich habe Angst, dass wir vor lauter Ängsten und Sorgen unsere Menschlichkeit vergessen. 

    Ich habe Angst, dass gesellschaftliche Gruppen gegeneinander ausgespielt werden und Hass geschürt wird. 

    Ich habe Angst, dass die AfD, Pegida und Co. weiter in die Mitte der Gesellschaft vorstoßen und das Klima in der offenen Gesellschaft vergiften.

    Und ja, ich habe Angst, dass all meine Sorgen und Ängste Realität werden, wenn man auf die Sorgen und Ängste der „besorgten Bürger“ eingeht, ihnen den Raum überlässt und die Demokraten es sich gemütlich machen. 

    Lasst uns aber nicht von unseren Ängsten leiten und verwalten. Jetzt erst recht werden wir uns noch stärker für die Gesellschaft einsetzen, für ein friedliches Miteinander arbeiten, uns öffnen und zeigen, dass unsere Demokratie wehrhaft bleibt und unsere Ängste nicht von Rechten oder Extremisten instrumentalisiert werden. 

  • Stefan Marx (DGB Ruhr Mark) auf der Kundgebung

    Rede Stefan Marx – DGB Regionsgeschäftsführer

    Demokratie ist ein Mitmachsport

    Liebe Bürgerinnen und Bürger in Herne,

    liebe Demokratinnen und Demokraten, 

    liebe Kolleginnen und Kollegen,

    ich bin gebeten worden, hier zu Beginn einige Gruppen aus unserem gewerkschaftlichen Umfeld zu benennen.

    Zuerst einmal begrüße ich die Vorstandsmitglieder des ver.di Fachbereich Gemeinden (Kommunen), und dabei auch den Kollegen und DGB Stadtverbandvorsitzenden Eric Lobach, der in diesem Bündnis aktiv ist. 

    Entschuldigen muss ich die Kolleginnen und Kollegen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Diese haben seit 18 Uhr ihre Jahreshauptversammlung und können an der Kundgebung leider nicht teilnehmen. Sie wünschen gutes Gelingen für diese Veranstaltung und sind beim nächsten Mal wieder dabei.

    Auch erwähnen möchte ich die Polizistinnen und Polizisten, die uns hier jede Woche vor diesem Mob beschützen, ich bedanke mich auch hier gerne für die Zusammenarbeit. Hierbei gibt es auch viele Kolleginnen und Kollegen aus einer DGB Gewerkschaft, der GdP, und ich weiß von ihnen, dass sie den brauen Mob nicht gerne hier abends von uns fernhalten müssen. Aber sie tun es aus Überzeugung, weil sie wissen, was passiert, wenn dieser Personenkreis mehr Macht erhält und die Sicherheitskräfte dann eher für den Terror benutzt werden anstatt für Sicherheit zu sorgen. 

    Meine sehr verehrten Damen und Herren,

    es freut mich, dass sich hier seit Wochen viele Menschen eindeutig bekennen zu Nächstenliebe, Toleranz und einem bunten Herne.

    Es ist erschreckend zu erkennen, dass mitten unter uns, auch in dieser Stadt, ein brauner Mob lebt und immer gelebt hat, der sich jetzt wieder traut, unter dem fadenscheinigen Argument „Sicherheit“ auf die Straße zu gehen. 

    Sie waren nie weg. Immer gab es in unseren Städten alte und neue Nazis, aber diese waren oftmals unerkannt und trauten sich kaum, laut zu werden.

    Doch seit der Zeit von Pegida und der AfD, seitdem diese Gesellschaft gezeigt hat, dass Asylsuchende hier willkommen sind, seitdem kommen sie wieder raus aus ihren Verstecken und propagieren alte Parolen in neuem Gewand.

    Schuld an allem sind natürlich diejenigen, welche hier Schutz vor Krieg und Verfolgung, vor Hunger und Not suchen. Sie wollen uns angeblich alles wegnehmen.

    Mit diesem Argument schüren sie die Ängste in einem Teil der Bevölkerung. Und das gerade bei denen, die von Tarifverträgen profitieren, von einem Sozialsystem, das erkämpft wurde, und vielen anderen Annehmlichkeiten dieser Gesellschaft; aber sie wollen nicht hören, dass ihr Reichtum im Grunde dazu führt, dass andere auf der Welt arm sind. 

    „Wäre ich nicht arm, so wärst du nicht reich.“

    Vor den neuen Entwicklungen haben viele Angst. Ob es die Digitalisierung der Gesellschaft oder die Globalisierung ist, man steht staunend vor der Veränderung, und viele können sich eine Welt von morgen kaum vorstellen.

    Diese Ängste werden jetzt aufgenommen und kanalisiert. Aber statt zu fragen, warum es denn natürlich ist, wenn das Kapital und die Großunternehmen globaler werden und warum immer mehr Kapital gehortet wird, wird lieber Angst vor Fremden geschürt und jeglicher Wandel ignoriert oder abgelehnt.

    Abstiegsängste und diese Sorgen müssen wir ernst nehmen. Aber es wäre falsch, jetzt einfache Lösungen zu suchen, wie es diese Rechtsextremisten tun, und ebenso ihre Steigbügelhalter, die sogenannten Rechtspopulisten, die sogar in unseren Parlamenten ihre menschenfeindlichen Parolen zum besten geben dürfen, unter dem Schutzmantel der Demokratie, die sie ablehnen. 

    Liebe Kolleginnen und Kollegen,

    man soll nicht glauben, dass sich hinter den Organisatoren der Märsche wirklich besorgte Bürger verbergen. Nein, es sind Nazis aus Herne und Umgebung, die hier versuchen, das ganze Klima des Wandels und der Angst für ihre menschen- und gesellschaftsfeindliche Propaganda zu missbrauchen. 

    Diese scheuen sich auch nicht vor Gewaltandrohungen, und wer sie erlebt hat, weiß, das ist nicht nur eine hohle Drohung. Dieser Personenkreis ist gewaltbereit und scheut nicht davor zurück, Menschen, die anderer Meinung sind, ihren Hass und Verachtung spüren zu lassen.

    Hier ist ein breites Kreuz von allen gesellschaftlichen Gruppen gefragt, über demokratische Parteien, Sportvereine, die Kirchen und auch uns, die Gewerkschaften. Solidarität mit allen, die sich denen entgegenstellen und Mut zeigen. Meine Solidarität haben diese Menschen immer. 

    Meine sehr verehrten Damen und Herren 

    Sie und ihr steht hier und zeigt, dass nicht die sogenannten schweigende Mehrheit wirklich die Mehrheit ist, sondern dass diejenigen, welche dann als „Gutmenschen“ verunglimpft werden, viel mehr sind. Ja, es gehört Mut dazu, sich so gegen die Nazis zu stellen, aber dieser Mut ist in einer Demokratie unerlässlich. Demokratie ist ein Mitmachsport
    und kein Zuschauerspiel. Er lebt von engagierten Bürgern in den Städten und Gemeinden. 

    Und ich kann nur allen hier zurufen: Steht auf, haltet weiter durch. Keinen Fußbreit den Faschisten. Herne ist bunt und nicht braun, und ihr seid die Mehrheit!

    Glück auf!

  • Rednerinnen auf der Kundgebung unter dem Pavillon

    Rede zur Gedenkfeier am 8. November

    Gedenken an die Reichspogromnacht in Herne am Shoah-Mahnmal!

    Wir alle spüren einen Klimawandel im doppelten Sinne. Das bringt uns heute wieder hier, an diesen Ort der Erinnerung und Mahnung zusammen. Mit Beidem finden wir uns nicht ab! Nicht mit der, von Menschen gemachten und die menschliche Existenz bedrohenden Zunahme globaler Wetterextreme. Und auch nicht mit dem gesellschaftspolitischen Klimawandel, der zunehmenden Kälte in der Gesellschaft und wachsender rechtsextremer Gewalt und Menschenfeindlichkeit.

    Bertolt Brecht schreibt:

    „Da fragte ich mich: Was für eine Kälte

    Muss über die Leute gekommen sein!

    Wer schlägt da so auf sie ein

    Das sie jetzt so durch und durch erkaltet?

    So helft ihnen doch! Und tut das in Bälde!

    Sonst passiert euch etwas, was ihr nicht für möglich haltet!“

    Heute ist ein Anlass daran zu erinnern, dass unsere Schule den Namen „Erich Fried“ trägt. Erich Fried, dem verfolgten Juden gelang 1938, dem Jahr der Pogrome, als 17-jährigem die Flucht vor den Nazis. Fried verstand sich zeitlebens als ein Schriftsteller, der gegen Faschismus, Rassismus, Unterdrückung und Vertreibung unschuldiger Menschen anschrieb. Wir stellen uns bewusst in seine Tradition.

    Erich Fried schreibt in seinem Gedicht „Dann wieder“:

    „Was keiner geglaubt haben wird

    was keiner gewusst haben konnte

    was keiner geahnt haben durfte

    das wird dann wieder

    das gewesen sein

    was keiner gewollt haben wollte.“

    Wie in den letzten Jahren haben wir uns heute wieder hier versammelt, um gemeinsam an die Opfer von Nazi-Terror und Krieg zu erinnern. Wir stehen gemeinsam dafür ein, dass sich das Leid, dass Rechtsextreme und Nazis damals über die Menschheit gebracht haben, niemals wiederholt. Gemeinsam mit vielen Menschen aus der Herner Stadtgesellschaft und dem „Bündnis Herne“, stellen wir uns den Nazis von heute in den Weg! Den Rassisten, die wöchentlich durch Herne marschieren, überlassen wir nicht unsere Stadt!

    Wir stehen hier an diesem Mahnmal für die Opfer des Widerstandes gegen den Faschismus, um an die Männer, Frauen und Jugendlichen aus Herne und Wanne-Eickel zu erinnern, die ihre Gesundheit und ihr Leben im Widerstand gegen die Nazi-Barbarei und den Krieg lassen mussten. Die Opfer von damals mahnen uns, heute wachsam zu sein!

    Viele der Verfolgten, die damals unter ständiger Lebensgefahr Widerstand leisteten, mussten schon früh ihre Heimat verlassen, weil sie vor den Nazis, ihren zahllosen Helfern und Mitläufern flüchten mussten. Oft fanden die Emigranten Unterschlupf und Hilfsbereitschaft in Deutschland und in anderen Ländern.

    Wir haben uns auch heute wieder hier zusammengefunden, um der zahlreichen Opfer von

    Faschismus,

    Nationalismus,

    völkischem Denken,

    Rassenwahn,

    Zwangsarbeit und Krieg

    in unserer Stadt zu gedenken.

    Wieder stehen wir gemeinsam heute hier, um daran zu erinnern, dass am 9. November 1938, vor 81 Jahren in Herne und Wanne-Eickel die jüdischen Gotteshäuser, die Synagogen, von den Nazis und ihren Helfern in Brand gesteckt, jüdische Mitmenschen und Nachbarn entrechtet, verfolgt, beraubt und ermordet wurden.

    Wir sind heute aber auch
    wieder hier um laut NEIN
    zu sagen: Wir sagen Nein zu Hass und Gewalt gegen schutzsuchende Flüchtlinge und Ausländer und Menschen anderer politischer Gesinnung, ihrer Hautfarbe oder ihrer religiösen oder sexuellen Orientierung! Wir finden uns nicht
    damit ab und wir sind empört darüber, dass – fast täglich – Menschen auf ihrer Flucht vor grausamen Kriegen, vor Verfolgung, Not und Elend zu Tode kommen!

    Wir sagen NEIN

    zu brennenden Flüchtlingsunterkünften! Zu Mord-und Gewaltandrohungen gegen Politiker, Journalisten. Klimaaktivisten und Andersdenkende!

    Wir sagen NEIN
    zu der rassistischen Hetze der geistigen Brandstifter in sozialen Netzwerken, auf dem Schulhof, an den Stammtischen, im Betrieb oder auf der Straße! Wir stellen uns schützend vor unsere Mitschülerinnen und Mitschüler aus Migrationsfamilien und sagen ihnen mit Erich Fried: „Für die Welt bist du irgendjemand, aber für irgendjemand bis du die ganze Welt!

    Wir sagen NEIN

    zu allen Kriegen auf der Welt und zum Waffenhandel!

    Wir sagen NEIN

    zu Armut und sozialer Ungerechtigkeit in unserer Stadt, in unserem Land und in der Welt!

    Wir treten ein

    • für Menschlichkeit und Solidarität,
    • für Toleranz und Vielfalt,
    • für den Frieden, soziale Gerechtigkeit und eine glückliche Zukunft a l l e r Menschen!

    Darum bitten wir euch,

    • Schaut nicht weg, sondern seht genau hin!
    • Ergreift das Wort, wenn andere zum Unrecht schweigen!
    • Nehmt Anteil am Schicksal eurer Mitmenschen, wo andere gefühlskalt und gleichgültig die Schulter zucken!
    • Werdet aktiv, helft mit und bietet der Unmenschlichkeit die Stirn!

    Wer Flüchtlinge, Migranten und Andersdenkende angreift und verächtlich macht, greift uns
    an und macht uns
    verächtlich
    !

    Wer die Rechte der Schwachen missachtet, missachtet auch uns! Wer Kriege anzettelt und vom Waffenhandel profitiert, wer den Klimawandel ignoriert und verleugnet, gefährdet das Überleben auf unserem Planeten, zerstört die Heimat und Lebensgrundlage von Millionen Menschen!

    Und der bedroht auch unsere Zukunft!

    Bertold Brecht schreibt:

    „Wer zu Hause bleibt, wenn der Kampf beginnt

    Und lässt andere kämpfen für seine Sache

    Der muss sich vorsehen: denn

    Wer den Kampf nicht geteilt hat

    Der wird teilen die Niederlage.

    Nicht einmal den Kampf vermeidet

    Wer den Kampf vermeiden will: denn

    Es wird kämpfen für die Sache des Feinds

    Wer für seine eigene Sache nicht gekämpft hat.“

    Erich Fried mahnt:

    „Die Zukunft liegt nicht darin, dass man an sie glaubt oder nicht an sie glaubt, sondern darin, dass man sie vorbereitet.“

     Greifen wir also aktiv ein, überlassen wir unsere Zukunft nicht denen die Hass und Gewalt predigen! Unsere Zukunft vorzubereiten bedeutet, heute für einander einzustehen und zu verhindern, dass sich Geschichte wiederholt! 

    Wir bitten Euch nun um eine Schweigeminute im Gedenken an die Opfer des Nazi-Terrors von damals und heute!

  • Logo Bündnis Herne V3 MMM

    Menschenrechte statt rechte Menschen!

    Menschenrechte statt rechte Menschen!

    Hier auf diesem Platz…

    stehen besorgte Menschen, die für unsere Gesellschaft tagtäglich den Arsch hochkriegen. Menschen die sich in der Kommunalpolitik einmischen. Menschen die in gemeinnützigen Vereinen und Verbänden oder den Kirchen aktiv sind. Menschen die in Kindertageseinrichtungen tagtäglich die frühkindliche Bildung unserer Kleinsten übernehmen. Menschen die tagtäglich in unserem Bildungssystem an Herner Schulen, trotz aller Widrigkeiten, immer noch den Anspruch haben unsere Kinder gut auf das Leben vorzubereiten.

    Hier auf diesem Platz…

    stehen besorgte Menschen, die in Betrieben und Verwaltungen in Betriebs- und Personalräten sich aktiv für gute Arbeitsbedingungen einsetzen. Menschen, die sich tagtäglich in den Gewerkschaften dafür einsetzen, dass der Preis der Ware Arbeitskraft angemessen entlohnt wird und dass wir von unserer Hände Arbeit auch vernünftig leben können.

    Hier auf diesem Platz…

    stehen besorgte Menschen, die bei der AWO oder der Caritas, in der Flüchtlingshilfe oder in der arbeits- und erwerbslosen Hilfe, sich täglich dafür einsetzen, dass es in unserer Stadt ein bisschen gerechter, herzlicher und menschlicher zugeht.

    Hier auf diesem Platz…..

    stehen einfach ganz normale einfache Leute.
    Erwerbstätige und Erwerbslose. Rentnerinnen und Rentner. Arbeiterinnen und Arbeiter. Selbstständige Handwerksmeister und Studentinnen und Studenten.

    Und damit ist bereits eine erste Lebenslüge dieser „Wutbürger“ widerlegt.

    Demnach es sich bei den bunten, zivilgesellschaftlichen Protesten gegen Rechts, eh nur um wohlhabende Oberschichten handelt und der „einfache Mann“ hier nicht vertreten ist.

    Hier auf diesem Platz stehen heute wieder viele tolle Menschen, die sich um Herne sorgen und deshalb hier erneut demonstrieren für ein weltoffenes und friedliches Miteinander.

    Wir sind besorgt, weil unsere offene Gesellschaft unter Druck ist: Rechtspopulisten, Rassisten und Nazis versuchen mit Hass und Gewalt auf der Straße und in den Parlamenten Fuß zu fassen.

    Dagegen setzen wir heute erneut miteinander ein starkes Zeichen, für Vielfalt, für Toleranz und für gesellschaftliche Solidarität!

    Heute vor inzwischen sieben Wochen, sind wir das erste Mal hier zusammengekommen. Es gab bei unserer ersten Veranstaltung keine Reden oder sonstige Beiträge. Wir wollten uns ein Bild machen, von denen, die da durch unsere Stadt marschieren. Unsere Vermutung, dass unter dem Tarnmantel eines „Spaziergangs besorgter Bürger„, in Herne rechtsextreme Strukturen etabliert werden sollen, hat sich -leider- bewahrheitet.

    Seitdem steht, völlig zu Recht, das demokratische, zivilgesellschaftliche Spektrum unserer Stadt in Alarmbereitschaft.

    Und auch die kürzliche Stellungnahme eines, namentlich nicht genannten, Organisators dieser Rechten Aufmärsche, führt nicht dazu das wir unsere Alarmbereitschaft herunterfahren.

    Dieser Organisator wird in der Presse zitiert mit den Sätzen „Die Teilnahme von SS-Siggi hat uns verwundert“. Vielmehr „distanzieren sie sich von der rechtsextremen Szene“.

    Diese Distanzierung ist nicht glaubwürdig und wir nehmen sie denen nicht ab!

    Das was wir in den letzten fünf Wochen hier zu sehen und zu hören bekommen haben, lässt keinen anderen Schluss zu: Bei diesen angeblichen Spaziergängen marschieren keine besorgten Herner Bürger, sondern Nazis und Faschisten.

    Schaut euch nur mal die Pressefotos der rechten Aufmärsche an. SS-Siggi und der Typ mit Hitlergruß wurden ja schön öfter in der Presse erwähnt. Auf den Bildern sehen wir aber viele weitere modische Highlights wie:

    • T-Shirt mit Maschinengewehr und der Überschrift „Hausbesuche“
    • T-Shirt mit Aufdruck „Oldschool Criminal“ (Krimineller der alten Schule)
    • T-Shirt mit Aufdruck „Kategorie C“ (Gewaltbereite Hooligan-Nazi Band)
    • T-Shirt „Stellt sie alle an die Wand und Feuer!“ (Selbstredend/Nazi Band)
    • Kettenanhänger „Thorshammer“ – als Antichristliches und Völkisches Symbol
    • T-Shirt „HKNKRZ“ (Das Wort Hakenkreuz ist nicht verboten/nur das Symbol)

    Gravierend und aussagekräftig ist auch das Video vom 03.09.2019, vom Abschlussfoto der Nazis am Herner Bahnhof. Dort skandieren Teilnehmer laut „White Power“ und zwar ohne Widerspruch!
    „Weiße Macht“ Schlachruf des Ku-Klux-Klans und ein Schlüsselbegriff der Neonaziszene.

    Zusätzlich zu dieser skurrilen und offen zur Schau gestellten menschenverächtlichen Weltanschauung, rief zuletzt eine sogenannte „Bruderschaft Herne“ gemeinsam mit anderen Nazis, wie z.B. „PEGIDA NRW“ und „Wir für Deutschland“ am 08.09.2019 zu einer landesweiten Demonstration in Mönchengladbach auf.

    Und auch bei der bundesweiten Nazidemo am 03.10.2019 in Berlin marschierten diese besorgten Herner mit. Dort marschierten sie gemeinsam mit Vertretern der gesamtdeutschen Rechtsextremen Szene, von Reichsbürgern über die Neonazipartei „Der III. Weg“ bis hin zur NPD.

    Sieht so eine Distanzierung vom Rechtsextremismus aus?

    Wohl kaum!

    Und deswegen ist es gut und richtig, dass wir diesen Leuten nicht unwidersprochen die Straßen in Herne überlassen und auf die einhergehenden Gefahren hinweisen.

    Dieser Rechtsextremismus und der damit einhergehende Rechtspopulismus gefährden den sozialen Zusammenhalt in unserer Stadt.

    Ausgrenzung von Minderheiten und Andersdenkenden oder Hassreden ermutigen Extremisten zu staats- und fremdenfeindlichen Straftaten. Sie sind eine ernsthafte Bedrohung für unser demokratisches und soziales Gemeinwesen.

    Wir treten ein für einen Rechtsstaat, in dem für alle die gleichen demokratischen Spielregeln gelten.
    Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Flüchtlinge handelt, die gerade erst bei uns angekommen sind, Menschen, die schon länger in Deutschland leben oder hier geboren sind.

    Und um das Klarzustellen, damit wollen wir keine bestehenden Probleme unter den Tisch fallen lassen und erst recht nicht etwaige Verbrechen totschweigen oder verharmlosen!

    Mit bestem Gewissen behaupte ich, es gibt in Herne niemanden, der zum Beispiel die soziale Schieflage
    in unserer Gesellschaft vehementer kritisiert, wie die Herner Gewerkschaften!

    Oder nehmen wir das Beispiel „Innere Sicherheit“. Ich bin fest davon überzeugt, dass es zum Beispiel in den Herner Bezirksvertretungen zahlreiche Kommunalpolitiker/innen gibt die sich in ihrem Bezirk bestens auskennen. Ich bin sicher, etwaige problematische Ecken oder Entwicklungen sind denen bestens bekannt. Und sie versuchen ihr bestes da gegenzusteuern!

    Aber wer etwas mitzuteilen hat, darf keinen Schweigemarsch
    abhalten! Der soll sich zu Wort melden und sich einbringen! In Herne gibt es eben keine Schweigespirale, wie zuletzt ein FDP Politiker behauptete! Hier wird Tacheles geredet!

    Es ist leicht, auf Facebook über die „die da oben“ zu schimpfen und dann die Likes zu zählen.

    Es ist aber schwerer, sich mit Fragen zu befassen, die mit Ja oder Nein kaum zu beantworten sind. Es ist schwerer, nicht immer nur sein Recht zu sehen, sondern auch seine Verantwortung.

    Ich glaube, die da marschieren, die wollen nicht diskutieren und ihre Sorgen als besorgte Bürger kundtun. Der Dialog ist ein Instrument der Demokratie, an dem der Faschismus nicht interessiert ist! Denen geht es darum die Straßen und Plätze mit ihrem braunen Gedankengut einzunehmen. Aber das werden wir weiterhin, nicht stillschweigend zulassen!

    Unser Gegenentwurf lautet: Mitmachen! Mitreden! Miteinander!

    Und auch wenn sie sich, hier in Herne aktuell nicht aktiv, bzw. offensichtlich beteiligen oder mitmarschieren, müssen wir bei dieser ganzen Entwicklung auch die Rolle der AfD
    ansprechen.

    Der Rechtsextremismus hat mit der AfD wieder eine massenwirksame, organisatorische Form bekommen.

    Das ist ein ernstes Problem, zu dem wir uns aktiv und offensiv verhalten müssen. Und die AfD grenzt sich nicht von Rechtsextremen ab – im Gegenteil.

    Wer unseren breiten gesellschaftlichen Protest hier, abtut als „Islam-Propaganda“, wie die Herner AfD in einem Facebook-Posting, dem spreche ich die charakterliche Eignung für ein demokratisches Parlament, wie den Stadtrat, ab.

    Die Herner AFD unterstellt uns, in einem anderen Facebook-Posting, mit unseren Aktionen eine „demokratische Kundgebung“ zu bekämpfen.

    Und das ist übrigens eine weitere Lebenslüge dieser Wutbürger.
    Wie oft habe ich schon die Sätze „und wenn man was sagt, ist man gleich ein Nazi“ oder „das wird man jawohl noch sagen dürfen“ gehört oder gelesen.

    Wie dumm und widersprüchlich diese Aussage ist, merken viele gar nicht mehr.
    In unserer Stadt darf jeder seinen geistigen Dünnpfiff loswerden und selbst offenkundige Nazis (ob aus Dortmund, Essen oder Herne) dürfen hier durch unsere Stadt marschieren. Sie werden rechtsstaatlich geschützt durch die Rede- und Versammlungsfreiheit.

    Nur diese Rede- und Versammlungsfreiheit besagt halt nicht, dass sich auch jeder unwidersprochen diesen Stumpfsinn anhören oder anschauen muss.

    Sie müssen hinnehmen, dass eine Mehrheit in Herne solche Aussagen nicht unwidersprochen lässt und solche Aufmärsche nicht stillschweigend erduldet. Und das ist auch gut so!

    Herne ist eine krisenerprobte Stadt. Herne ist aber insbesondere eine Stadt der Solidarität und des Zusammenhalts. Eine tolle Stadt mit vielen liebenswerten und aktiven Menschen.

    Einige davon stehen heute vor mir!
    Wir wollen eine offene, tolerante, faire, gerechte, solidarische und demokratische Gesellschaft. Eine Gesellschaft, in der Ausgrenzung, Hass und Gewalt keinen Platz haben.

    Dafür lohnt es sich zu streiten. Herne bleibt solidarisch!

    Wir wollen Menschenrechte statt rechte Menschen!

    Und mit einer Sache in der aktuellen Ausgabe des „Spiegel“, haben die Redakteure doch Recht! Mit einem klassischen Glückauf kann und sollte man in Herne gerne eine Rede beenden!

    In diesem Sinne…. Glückauf!

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