Nach diesen ganzen abscheulichen Meldungen und Bildern von „Abschiebe-Tickets“, wollen wir sagen:
SCHÖN, DASS DU BEI UNS BIST!
Nachdem wir von rechten Drohbriefen in unserer Stadt gehört hatten, war es uns eine Herzensangelegenheit dagegen zu halten. Wir sind froh, dass unser Herne so bunt ist und so haben wir uns, im betroffenen Stadtgebiet und in der Fußgängerzone, auf den Weg gemacht und unsere Postkarten verteilt.
#herneistbunt und wir halten zusammen #gegenrassismus .
Nachdem uns immer wieder Sichtungen von Nazi Schmierereien und rechten Aufklebern gemeldet wurden, werden wir aktiv und wir würden uns freuen, wenn Ihr mitmacht.
Am kommenden Samstag, 13.07.2024 um 11 Uhr treffen sich einige Vertreter*innen des Bündnisses, um gemeldete Aufkleber zu entfernen und Ihr seid herzlich eingeladen, uns zu unterstützen.
Entweder schließt Ihr Euch direkt an und/oder zieht auf eigene Faust los und filmt Eure Aktion.
Wichtig: Bitte tragt Handschuhe, am Besten Arbeitshandschuhe, und benutzt zum Ablösen der Aufkleber einen Spachtel oder ähnliches, da in anderen Städten auch mal Rasierklingen unter den Stickern angebracht waren. Zieht nicht allein los und achtet aufeinander.
Für die gemeinsame Aktion:
13.07.2024 um 11 Uhr
Treffpunkt Auf der Insel/ Körnerstraße, Herne.
Des Weiteren könnt Ihr uns gerne weitere Sichtungen melden. Danke für Eure Unterstützung!
Das Bündnis Herne ist entsetzt über die aktuellen Ereignisse im Nahen Osten. Unsere Herzen sind bei allen Opfern und ihren Angehörigen sowie allen, die um ihr Leben und das ihrer Lieben bangen. Wir verurteilen die Verhöhnung der Opfer der terroristischen Angriffe der Hamas und die Relativierung der Taten, wie beispielsweise bei einer Demonstration in Duisburg am vergangenen Montag. Das Bündnis Herne steht gegen Antisemitismus im Ruhrgebiet und weltweit.
Das Bündnis Herne wurde im August 2019 gegründet, um als Zivilgesellschaft den als „Spaziergängen“ getarnten rechtsradikalen Aufmärschen der sogenannten „besorgten Bürger“ etwas entgegenzusetzen.
Das hat funktioniert – die Aufmärsche haben aufgehört (VOR, nicht WEGEN der Pandemie).
Schon damals war aber klar: Nur weil diese Menschen nicht mehr auf Herner Straßen demonstrieren, sind sie mitsamt ihrem rechtsradikalen, rassistischen Gedankengut nicht weg.
Das sehen wir jetzt:
In der Nacht vom 03. auf den 04.07.2023 wurde ein Restaurant in Baukau mit rassistischen Parolen beschmiert, ein NPD-Aufkleber fand sich an dem Fenster. Der Besitzer des Restaurants wurde offenbar als muslimisch-migrantisch angesehen, weil sich auf seiner Speisekarte keine Gerichte mit Schweinefleisch finden.
Dies ist nicht der erste Vorfall dieser Art:
Im Oktober 2022 trafn es innerhalb einer Nacht die Bonifatiuskirche in Herne-Mitte sowie das KUZ (Nazisymbole etc.).
Und das sind nur die Ereignisse, die es in die Medien schaffen. Unerwähnt bleiben in der Regel die zahlreichen Sticker mit rechtsradikalem und rassistischem Gedankengut im Herner Stadtbild, an Laternenpfählen, Ampelmasten etc. Auch aus den umliegenden Städten wird gleiches berichtet.
Wir machen mit unserer Kundgebung auf diese z. T. offenen und z. T. auch etwas versteckten Versuche der rechtsradikalen Raumnahme aufmerksam und erklären uns mit den Betroffenen jeglichen ausgrenzenden Gedankenguts solidarisch!
Das Bündnis Herne hat sich in den letzten beiden Jahren am digitalen Herner CSDs beteiligt, wir freuen uns, dieses Jahr beim ersten Herner Straßen-CSD dabei zu sein.
Dieser furchtbare Vorfall macht deutlich, dass es beim CSD nicht nur um ein bisschen Party geht, sondern um die Normalisierung der Sichtbarkeit unterschiedlichster Lebensentwürfe und geschlechtlicher (Selbst-)Zuordnungen.
Jessi hat es für das Bündnis Herne auf den Punkt gebracht:
Die richtigen Worte zu finden und das noch im Namen aller Personen des Bündnis Herne ist schwierig.
Wahrscheinlich sollte es sachlich sein, aber ich, genau wie einige andere Personen des Bündnis Herne, habe Kinder im Alter der Betroffenen und bin einfach nur fassungslos, entsetzt, traurig, wütend und mein Kopf ist leer, aber mein Herz umso voller. Niemand, der nicht in eine ähnlich fürchterliche Situation geraten ist, kann es sich vorstellen, nachvollziehen, geschweige denn sich hineinversetzen.
Ich bin fassungslos, dass so eine abscheuliche Tat passiert. Ich bin entsetzt, dass es Kinder sind, die so brutal und hasserfüllt agieren. Ich bin traurig, dass Jess sich in Gefahr begibt, nur weil sie sie selbst sein möchte. Ich bin wütend, denn
ich habe gehofft, wir wären weiter…
Im Namen des Bündnis Herne möchte ich zum Ausdruck bringen, dass wir die Tat bis ins Letzte verurteilen, unsere Genesungswünsche Jess gelten und wir hoffen, dass sie ihren Mut und ihre Stärke dadurch nicht einbüßt. Wir sehen Dich.
Ferhat Unvar, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtović, Said Nessar El Hashemi, Mercedes K., Can Gülcü, Bilal Gökçe,Sedat Gürbüz und Kaloyan Velkov, Vili Paun, Gabriele Rathjen.
Das sind die Menschen, die dem Anschlag in Hanau am 19.2.2020 zum Opfer fielen. Unsere Herzen sind bei den Familien und Angehörigen der Verstorbenen, sowie bei den Verletzten, denen wir eine schnelle Genesung und Gottes Liebe und Barmherzigkeit wünschen.
Den Terroranschlag so zu beschreiben, wie er ist, nämlich als Terroranschlag, fällt vielen schwer. Die Versuchung, den Täter als Einzeltäter darzustellen, ist schon zum Reflex unserer Politiker & Politikerinnen und der Sicherheitsorgane geworden. Damit wird das ideologische Umfeld des Täters ausgeblendet. Er handelte als Einzeltäter, doch war er nicht allein in seiner Welt. Das ist auch keine Überraschung. Schon lange werden Rassistinnen & Rassisten hofiert und antimuslimische Parolen skandiert. Viele haben den Boden bereitet und das Klima geschaffen, damit Hetze verbreitet und somit dem Hass Tür und Tor geöffnet werden konnte. Damit ist nicht nur die AfD gemeint. Dass sie eine der geistigen Brandstifter*innen ist, muss nicht besonders erklärt zu werden.
Ist das aber alles? Gauland war von 1973 bis 2013 Mitglied der CDU. Sarrazin ist seit 1973 Mitglied der SPD. Der selbsternannte Islamkritiker Abdel-Samad, Teilnehmer der 2. Islamkonferenz. Oder ein Mensch namens Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz oder andere Spitzenpolitiker aus der „ Mitte“, die am Tag der Auschwitz Befreiung direkt auf Muslime zeigen und die Worte „Nationalsozialismus“ oder „Deutschland“ nicht einmal erwähnen, obwohl der Holocaust ein deutsches Verbrechen und kein Muslimisches war.
Wenn Menschen jeden Tag mit rassistischer Rhetorik, mit Rechtsextremismus und mit Verschwörungstheorien zugedröhnt werden, tagtäglich hören, dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre, dass die Migrant*innen wie Parasiten seien, die unsere Gesellschaft befallen haben – dann besteht die Wahrscheinlichkeit, dass manche Menschen sich berufen fühlen, die Gesellschaft wieder zu „bereinigen“. Den Worten folgen die Taten. Und die Message geht nicht nur in Richtung des weißen Mannes. Es gibt ein türkisches Sprichwort, dass sinngemäß übersetzt bedeutet: „Wenn jemand vierzig Tage lang als verrückt bezeichnet wird, wird er am Ende verrückt werden“. Nicht seit vierzig Tagen und nicht seit vierzig Monaten, sondern seit vierzig Jahren werden Muslime oder andere Minderheiten als Gesindel, Parasiten, Schmarotzer, Terroristen, illoyal und als Kopftuchmädchen bezeichnet. Nichts davon geht, ohne eine Spur zu hinterlassen, einfach vorbei.
Die Gefahr von Angriffen auf Muslime wird immer noch unterschätzt. An dem Tag, als die Mitglieder der rechtsextremen Gruppe Teutonico verhaftet wurden, hatten sie geplant, Anschläge auf Moscheen in zehn Bundesländern verüben. Sie wollten Muslime töten. Dazu schrieb der Rassismus-Forscher Osan Sekariya Keskinkılıtsch: „Muss ich erst getötet werden, damit ihr empört seid?“
Eine Woche später mussten wir uns empören, weil neun Migrantinnen & Migranten in Hanau ermordet wurden. Ja, wir haben in der Politik, in den Medien und in Teilen der Gesellschaft ein Problem, das Anti-Muslimischer Rassismus heißt. Dass macht uns Angst. Wir haben Angst, dass wir die Nächsten sein könnten. Wir haben Angst, dass wir unsere Mütter, Schwestern, Töchter, Väter und Söhne verlieren könnten. Wir haben Angst, dass die Pläne der Nazis, mit Angriffen auf die muslimischen Einrichtungen Gegenangriffe zu provozieren, aufgehen könnten. Wir haben Angst, wenn Kinder und Jugendliche aus der Gemeinde, statt nach der Playstation oder dem nächsten Ausflug nach Köln zu fragen, über die eigenen Zukunftsängste sprechen: „Hoca, wenn die Deutschen uns nicht mehr haben wollen, wo gehen wir dann hin?“
Wir haben aber auch sehr viel Hoffnung und möchten uns nicht von unseren Ängsten leiten lassen. Wir haben sehr viel Hoffnung, weil zu unserem Freundeskreis nicht nur Ayse, Gül, Ahmed und Ali sondern auch Ute, Elfi, Markus und Michael gehören. Es macht uns Hoffnung, dass wir die Namen, derer, die uns Mut geben, auf mindestens fünf weiteren Seiten hätten aufschreiben können.
Wir haben sehr viel Hoffnung, wenn wir sehen, dass Woche für Woche hunderte Menschen in Herne sich gegen Rassismus positionieren.
Es macht uns Hoffnung, wenn wir persönliche oder schriftliche Solidaritätsbekundungen erhalten. Es macht uns Hoffnung, wenn Menschen aus der Mehrheitsgesellschaft, denen wir zuvor noch nie begegnet sind, sich bei uns melden und sich über unsere Arbeit freuen. Es macht uns Hoffnung, wenn die Polizei unserer Gemeinde uns mitten im Freitagsgebet besucht und erklärt, dass der Staat sich um uns kümmert – dass wir uns in Sicherheit fühlen können. Es macht uns Hoffnung, wenn wir uns mit unseren jüdischen, christlichen oder nichtgläubigen Freundinnen, Freunden und Bekannten auf einer Veranstaltung sehen, wir uns fest umarmen und feststellen dass unsere Herzen gemeinsam für eine Sache schlagen – nämlich für ein friedliches Miteinander.
Ich bin von Anfang an Anfang hier im Bündnis aktiv und wollte heute eigentlich nur ein paar Wörter über meine persönliche Motivation sagen und Ihnen mitteilen, wie viel Hoffnung es mir in Hinblick auf unsere Gesellschaft geben hat, mit den Menschen im Bündnis und Ihnen hier auf den Herner Plätze für eine offene und tolerante Gemeinschaft einzustehen.
Dann kamen der Abend und die Nacht.
Hanau
Wir müssen wieder Opfer eines abscheulichen und rassistischen Anschlag betrauern.
Ich bin entsetzt, traurig und wütend.
Wie viele Opfer rechtsradikaler Gewalt müssen wir noch ertragen?
Erst vor wenigen Tagen wurde eine Gruppe festgenommen, die offensichtlich genau diese Art von Anschlägen geplant hat.
Nun ist es passiert.
Menschen wurden aus ihrem Leben gerissen, nur auf Grund von Hass.
Teile der Gruppe, die verhaftet wurden, sollen in Verbindung mit der sogenannten „Bruderschaft Deutschland“ stehen. Mitglieder dieser Bruderschaft haben auch in Herne die Aufmärsche organisiert oder waren zumindest auch hier präsent.