Schlagwort: Toleranz

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    Zwischen falschem Alarm und Hetze

    Was der Fall der jungen Mutter aus Herne über die Berichterstattung und Online-Kommentare offenbart.

    Am 11.03.2025 sorgte die Meldung für Aufregung, eine junge Hernerin migrantischer Herkunft sei von einem Fahrradfahrer von hinten in den Rücken getreten worden. Bei dem anschließenden Sturz sei das Baby, das sie auf dem Arm hielt, mit dem Kopf auf den Boden geschlagen. Während des Angriffs habe der Mann rassistische Parolen gerufen.

    Einen Tag später meldeten sich Zeug:innen bei der Polizei. Demzufolge gab es t keinen Angriff. Die Frau hatte ihren Hund am Kinderwagen angeleint. Er zerrte an seiner Leine, dadurch fiel der Kinderwagen um

    Was uns in der Folge in den sozialen Medien aufgefallen ist, fassen wir hier einmal zusammen.

    Wir sind entsetzt über die emotionale Verwahrlosung, die aus vielen Kommentaren u. a. bei WAZ, HalloHerne und auf unserer eigenen Seite spricht.

    Wir geben sie hier nicht wieder.

    Wie erhaben sich manche Menschen aus der sicheren Distanz an ihrer Tastatur fühlen! Als hätten sie selbst noch nie einen Fehler gemacht.

    Ja, die junge Frau hat einen großen Fehler gemacht: Sie hat die Polizei in die Irre geführt und sie hat dazu beigetragen, dass wirklichen Opfern von (rechtsradikalen) Gewaltakten weniger Glauben geschenkt wird.

    Aber: Niemand von uns weiß, was sie zu dieser Falschaussage veranlasst hat.

    Vielleicht stand sie aufgrund des Unfalls unter Schock, das Baby ist schließlich erst zwei Monate alt. Vielleicht hat sie sich geschämt für ihren Fehler, den Hund am Kinderwagen angeleint zu haben. Vielleicht hatte sie Angst vor der Reaktion ihres Mannes und ihrer Familie, vielleicht auch vor dem Eingreifen von Behörden (z. B. Jugendamt). Vielleicht hat sie im ersten Reflex die Geschichte vom Fahrradfahrer erzählt, um von ihrer eigenen Schuld abzulenken, und dann hat sich die Geschichte verselbständigt.

    Solange wir das alles nicht wissen, gebietet es der Anstand, zumindest nicht von Böswilligkeit auszugehen.

    In einigen Kommentaren wurde uns vorgeworfen, dass wir der jungen Frau viel Kraft für den erwartbaren Shitstorm wünschen. „Verständnis“ ist aber etwas anderes als „Zustimmung“.

    Und Empathie, gerade auch für diejenigen, die einen Fehler gemacht haben, ist keine Schwäche, sondern Stärke.

    Insofern nehmen wir den Vorwurf als Kompliment, denn dann haben wir alles richtig gemacht!

    Wir wurden mehrfach beschuldigt, uns undemokratisch zu verhalten, weil wir unter unserem Statement auf unserer eigenen Facebookseite Kommentare löschen und Nutzer:innen blockieren.

    Es ist erschütternd, dass wir immer wieder das Prinzip der Meinungsfreiheit und ihrer Grenzen erklären müssen.

    Unser Vorgehen ist ganz und gar nicht undemokratisch: Wir löschen keine Kommentare, nur weil sie nicht unserer Meinung entsprechen. Wir löschen Kommentare, die allem widersprechen, was wir unter „guten Umgangsformen“ verstehen. Das ist wie zu Hause: Wer beleidigt oder hetzt, fliegt raus. Und nein: „Ab in den Flieger mit der Frau“ ist keine Meinung, sondern Hetze.

    Unsere Facebookseite ist kein öffentlicher Raum, sondern sozusagen unser „Wohnzimmer“, in dem wir über die Regeln des Umgangs miteinander entscheiden.

    Das schränkt die Meinungsfreiheit dieser Personen kein bisschen ein, denn sie können ihren verbalen Müll ja immer noch an anderer Stelle abladen, z. B. auf ihrer eigenen Seite.

    Einmal mehr fällt uns in diesem Zusammenhang auf, wie wenig sich die lokalen Medien, hier besonders die WAZ, teilweise um ihre ethische Verantwortung scheren.

    Immerhin gelten die Medien als vierte Säule der Demokratie – neben Legislative, Exekutive und Judikative.

    Bis zum 13.03.2025, 16:20 Uhr, gab es unter dem WAZ-Artikel zu dem vermeintlichen Angriff und dem Update über 7.000 Kommentare, die meisten davon an Häme und Widerwärtigkeit nicht zu überbieten. Die wenigen empathischen Kommentare, in denen die Motivation der jungen Hernerin hinterfragt wird, bekommen eher Lach-Emojis als Zustimmung.

    Uns ist klar, dass mediale Reichweite für Zeitungen und andere Medien eine wichtige wirtschaftliche Kennzahl ist. Dennoch sollten die Medien bei solchen Eskalationen wirklich die Kommentarfunktion abschalten, um eine Eskalation der Diskussion zu verhindern, denn in der Sache tragen die wenigsten der Kommentare etwas bei.

    Stattdessen werden in den Kommentarspalten unwidersprochen Ressentiments gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen bedient. Diese in großen Teilen rassistische Stimmungsmache greift die Parolen der AfD auf und setzt sie in den Medien fort.

    Mitlesende und -schreibende aus der AfD-Blase fühlen sich bestätigt, sie werden in der Folge immer hemmungsloser, manche fühlen sich berufen, die Hemmungslosigkeit auch im öffentlichen Raum auszuleben. Der Rest der Mitlesenden wendet sich mit Grausen ab und zieht sich aus Diskussionen zurück.

    Damit tragen die Medien erheblich zum Erfolg der AfD bei, den sie anschließend mit Krokodilstränen bedauern.

    Wir appellieren insbesondere an die WAZ, sich ihrer Verantwortung nicht nur in der Berichterstattung, sondern auch in der Moderation der Kommentarspalten zu stellen!

    Was folgt für uns daraus?

    Wir stehen fest zu unserer empathischen Haltung, denn jeder Mensch hat verdient, gesehen und gehört zu werden – mit all seinen Stärken und Schwächen. Wir lassen uns nicht davon abbringen, differenziert auf Vorfälle und die Berichterstattung zu schauen, auch wenn dies für manche Zeitgenoss:innen offenbar zu komplex ist.

    Zum Abschluss zwei Zitate zum Thema „Empathie“:

    Elon Musk: „Die grundlegende Schwäche der westlichen Zivilisation ist Empathie.“

    Hannah Arendt: „Der Tod der menschlichen Empathie ist eines der frühesten und deutlichsten Zeichen dafür, dass eine Kultur gerade in Barbarei verfällt.“

    Wer wollt ihr sein? „Team Elon Musk“ oder „Team Hannah Arendt“?

  • SharePic zu "Gegen Rassismus in Herne-Süd und überall - Abgesagt"

    Gegen Rassismus in Herne-Süd und überall

    Mit Erschütterung haben wir gestern die Nachricht von dem rassistischen Vorfall in Herne-Süd erfahren. Heute müssen wir erfahren, dass dies sich offensichtlich so nicht zugetragen hat. Wir wissen nicht, was die junge Frau veranlasst hat, ihre ursprüngliche Schilderung abzugeben. Ob es der Schock des Unfalls als solches war oder ob es noch andere Beweggründe gab, sind uns unbekannt.

    Ihre ursprüngliche Schilderung hat sich für uns jedoch in eine Reihe von Vorkommnissen in Herne eingereiht, von denen wir immer wieder Kenntnis erlangen. Die Plausibilität stand daher gestern für uns nicht in Frage.

    Wir wünschen der jungen Frau in Anbetracht des zu erwartenden Shitstorms viel Kraft und Unterstützung.

  • BH Halte deine Umwelt sauber

    Halte deine Umwelt sauber!

    Wir hatten es bereits angekündigt und nun starten wir eine neue, wiederkehrende Aktion unter dem #haltedeineumweltsauberfcknzsedition .

    Nachdem uns immer wieder Sichtungen von Nazi Schmierereien und rechten Aufklebern gemeldet wurden, werden wir aktiv und wir würden uns freuen, wenn Ihr mitmacht.

    Am kommenden Samstag, 13.07.2024 um 11 Uhr treffen sich einige Vertreter*innen des Bündnisses, um gemeldete Aufkleber zu entfernen und Ihr seid herzlich eingeladen, uns zu unterstützen.

    Entweder schließt Ihr Euch direkt an und/oder zieht auf eigene Faust los und filmt Eure Aktion.

    Wichtig: Bitte tragt Handschuhe, am Besten Arbeitshandschuhe, und benutzt zum Ablösen der Aufkleber einen Spachtel oder ähnliches, da in anderen Städten auch mal Rasierklingen unter den Stickern angebracht waren. Zieht nicht allein los und achtet aufeinander.

    Für die gemeinsame Aktion:

    13.07.2024 um 11 Uhr
    Treffpunkt Auf der Insel/ Körnerstraße, Herne.

    Des Weiteren könnt Ihr uns gerne weitere Sichtungen melden. Danke für Eure Unterstützung!

    #hernebleibtbunt
    #buntstattbraun
    #fcknzs
    #gemeinsamgegenrechts
    #keinenmillimeternachrechts
    #haltedeineumweltsauber
    #stadtherne
    #keinenraumfürnazischmierereien

  • SharePic Bündnis Herne "Herner Plätze: Keinen Raum für Nazi-Schmierereien"

    Herner Plätze: Keinen Raum für Nazi-Schmierereien

    Das Bündnis Herne wurde im August 2019 gegründet, um als Zivilgesellschaft den als „Spaziergängen“ getarnten rechtsradikalen Aufmärschen der sogenannten „besorgten Bürger“ etwas entgegenzusetzen.

    Das hat funktioniert – die Aufmärsche haben aufgehört (VOR, nicht WEGEN der Pandemie).

    Schon damals war aber klar: Nur weil diese Menschen nicht mehr auf Herner Straßen demonstrieren, sind sie mitsamt ihrem rechtsradikalen, rassistischen Gedankengut nicht weg.

    Das sehen wir jetzt:

    In der Nacht vom 03. auf den 04.07.2023 wurde ein Restaurant in Baukau mit rassistischen Parolen beschmiert, ein NPD-Aufkleber fand sich an dem Fenster. Der Besitzer des Restaurants wurde offenbar als muslimisch-migrantisch angesehen, weil sich auf seiner Speisekarte keine Gerichte mit Schweinefleisch finden.

    Dies ist nicht der erste Vorfall dieser Art:

    Im Oktober 2022 trafn es innerhalb einer Nacht die Bonifatiuskirche in Herne-Mitte sowie das KUZ (Nazisymbole etc.).

    Und das sind nur die Ereignisse, die es in die Medien schaffen. Unerwähnt bleiben in der Regel die zahlreichen Sticker mit rechtsradikalem und rassistischem Gedankengut im Herner Stadtbild, an Laternenpfählen, Ampelmasten etc. Auch aus den umliegenden Städten wird gleiches berichtet.

    Wir machen mit unserer Kundgebung auf diese z. T. offenen und z. T. auch etwas versteckten Versuche der rechtsradikalen Raumnahme aufmerksam und erklären uns mit den Betroffenen jeglichen ausgrenzenden Gedankenguts solidarisch!

    Wann: Samstag, 15.07.2023, 11:00 Uhr

    Wo: Robert-Brauner-Platz, 44623 Herne

  • Regenbogenfahne

    Ein Grußwort zum Herner CSD 2022

    Endlich ist es so weit: Nach zwei Jahren in ausschließlich digitaler Form macht nun der erste Christopher Street Day die Vielfältigkeit queeren Lebens auch in Herne sichtbar!

    Genau darum geht es beim CSD: Um die Normalisierung der Sichtbarkeit unterschiedlichster Lebensentwürfe und geschlechtlicher (Selbst-)Zuordnungen. Wie wichtig dies ist, hat der furchtbare Vorfall Ende März gezeigt, als das 15jähriges trans Mädchen Jess aufgrund ihrer sexuellen Identität von Jugendlichen ins Koma geprügelt wurde.

    Wir vom Bündnis Herne erklären uns solidarisch mit all jenen, die auch heute noch schmerzlich von feindseligen Äußerungen betroffen sind, solidarisch mit all jenen, die sich aus Angst vor Stigmatisierung verborgen halten, solidarisch mit all jenen, die zweifeln. Und solidarisch mit all jenen, die in der Vergangenheit nach vorne getreten sind und heute nach vorne treten und ihre Plätze in einer oftmals noch viel zu engen Gesellschaft einfordern.

    Wir sehen euch!

    Es wäre schön, wenn wir irgendwann auch bei diesem Thema nicht mehr zwischen „uns“ und „euch“ unterscheiden, sondern es einfach ein „wir“ gibt, in dem die ganze Vielfalt ein Zuhause hat.

    Den Weg dorthin müssen wir als Gesellschaft gemeinsam gehen, es darf nicht allein eure Aufgabe und euer Kampf sein!

    Deshalb begrüßen wir vom Bündnis Herne die aktuelle Initiative der Stadtratsfraktion von „Bündnis 90/Die Grünen“ als wichtigen Impuls für eine breite Auseinandersetzung mit den Erfordernissen einer vielfältigen Stadtgesellschaft.

    Das ganze Programm für Samstag, 18.06.2022, findet ihr
    hier.

    Kommt alle, zeigt, dass euch die Vielfalt in unserer Stadt am Herzen liegt!

    #vielfaltsichtbarmachen

    #csdherne

    #csd

    #queeresjugendforum

    #buendnisherne

    #herneistbunt

  • Transgenderflagge

    Transgender-Mädchen von Kindern ins Koma geprügelt

    Das Bündnis Herne hat sich in den letzten beiden Jahren am digitalen Herner CSDs beteiligt, wir freuen uns, dieses Jahr beim ersten Herner Straßen-CSD dabei zu sein.

    Dieser furchtbare Vorfall macht deutlich, dass es beim CSD nicht nur um ein bisschen Party geht, sondern um die Normalisierung der Sichtbarkeit unterschiedlichster Lebensentwürfe und geschlechtlicher (Selbst-)Zuordnungen.

    Jessi hat es für das Bündnis Herne auf den Punkt gebracht:

    Die richtigen Worte zu finden und das noch im Namen aller Personen des Bündnis Herne ist schwierig.

    Wahrscheinlich sollte es sachlich sein, aber ich, genau wie einige andere Personen des Bündnis Herne, habe Kinder im Alter der Betroffenen und bin einfach nur fassungslos, entsetzt, traurig, wütend und mein Kopf ist leer, aber mein Herz umso voller. Niemand, der nicht in eine ähnlich fürchterliche Situation geraten ist, kann es sich vorstellen, nachvollziehen, geschweige denn sich hineinversetzen.

    Ich bin fassungslos, dass so eine abscheuliche Tat passiert. Ich bin entsetzt, dass es Kinder sind, die so brutal und hasserfüllt agieren. Ich bin traurig, dass Jess sich in Gefahr begibt, nur weil sie sie selbst sein möchte. Ich bin wütend, denn

    ich habe gehofft, wir wären weiter…

    Im Namen des Bündnis Herne möchte ich zum Ausdruck bringen, dass wir die Tat bis ins Letzte verurteilen, unsere Genesungswünsche Jess gelten und wir hoffen, dass sie ihren Mut und ihre Stärke dadurch nicht einbüßt. Wir sehen Dich.

    Der Artikel zu diesem Vorfall in der WAZ Herne.

  • SharePic zur Online-Podiumsdiskussion des Bündnis Herne "Shalom und Salam"

    Shalom und Salam. Auswirkungen des Nahostkonfliktes auf unser Miteinander

    Podium der Online-Diskussion Bündnis Herne "Shalom und Salam"
    Podium der Online-Diskussion Bündnis Herne „Shalom und Salam“

    Am 30.06.2021 hatten wir gemeinsam mit der „Partnerschaft für Demokratie Herne (PfD Herne)“ interessante, tolle Gäste zu einer Podiumsdiskussion zum Thema „Shalom und Salam. Auswirkungen des Nahostkonfliktes auf unser Miteinander“ eingeladen.

    Unsere Gäste waren Anton Tsirin (u.a. Präsident von Makkabi Deutschland Jugend), Tuncay Nazik (Leiter Islamische Gemeinde Herne Röhlinghausen e.V.), Sobitha Balakrishnan (DINX-Institut), Micha Neumann (Antidiskriminierungsberater ADIRA) und Rabeya Müller (Liberal-Islamischer Bund e.V.).

    Moderiert von dem wunderbaren Fadl Speck (Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus e.V.) brachten sie über 90 Minuten lang ihre Erfahrungen aus den unterschiedlichen Perspektiven ein.

    Wer eine „krawallige“ Talkrunde erwartet hatte, war möglicherweise enttäuscht – unsere Gäste haben vorgemacht, dass es möglich ist, sich trotz kontroverser Positionen respektvoll auszutauschen, einander zuzuhören, Gedanken aufzunehmen, weiterzuspinnen.


    Am Beispiel unseres Themas ist einmal mehr deutlich geworden, dass viele Herausforderungen zu vielschichtig sind, um in zwei bis drei Sätzen eine Meinung dazu zu artikulieren. Die individuelle Bewertung komplexer Zusammenhänge hängt zudem immer auch mit den individuellen Erfahrungen zusammen. Das jeweils zu berücksichtigen und zu respektieren, erscheint zielführender als jeweils für sich selbst die „einzige richtige Wahrnehmung“ zu beanspruchen und damit die Erfahrungen von anderen abzuwerten.

    Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten – alle, die den Livestream am Mittwoch verpasst haben, können ihn sich hier nachträglich noch anschauen – es lohnt sich!

    Unser Dank gilt – neben unseren Gästen – Merlin Morzeck und Holtkamp//media Rental für die hervorragende technische Umsetzung des Livestreams! Gerne wieder!

    Hinweis zu den Fotos: Alle im Pluto anwesenden Beteiligten waren entweder schon durchgeimpft oder zumindest tagesaktuell negativ getestet; daher konnten wir auf das Tragen von Masken verzichten.

  • Logo des CSD Herne 2021

    Das Bündnis Herne beteiligt sich an den 2. digitalen CSD in Herne!

    Unser Grußwort:

    Es bewegt sich was in Herne!

    Herne hat seit letztem Jahr einen eigenen Christopher Street Day – leider kann er auch dieses Jahr wieder nur virtuell stattfinden.

    Nichtsdestotrotz macht der CSD auch auf diesem Weg wieder die Vielfalt in unserer Stadt sichtbar!

    Vielen Dank für euer Engagement – und vielen Dank, dass wir auch in diesem Jahr wieder dabei sein dürfen!

    Vielfalt in Begehren und in der geschlechtlichen Identität waren in unserer Stadt lange Zeit wenig sichtbar. „Pride“ lässt sich eben leichter leben, wenn sie von anderen bunten Menschen in pulsierenden Szenevierteln vorgelebt wird. Sicher, Herne ist eine große Stadt und das Zuhause für Menschen aus allen Teilen der Welt und für Menschen mit den unterschiedlichsten Lebensentwürfen.


    Doch Herne pulsiert oft eher leise. Oft scheint es sogar so, als müsste Herne überhaupt erst wieder zu sich und einem neuen großstädtischen Bewusstsein kommen. Die Gründung des queeren Jugendforums und die Ankündigung eines CSD in unserer Stadt sind deshalb wichtige Schritte auf dem Weg dorthin gewesen!

    In immer mehr Städten gelingt es dem Christopher Street Day, zumindest temporär einen sicheren öffentlichen Raum zu schaffen, in dem alle queeren Menschen ohne Angst verschieden sein können.

    Wir finden es essenziell, alternative Lebensentwürfe außerhalb der „klassischen“ Kleinfamilie aus Mutter, Vater und 1,5 Kindern sichtbar zu machen, um zu einem selbstverständlichen Miteinander zu gelangen. Einem Miteinander, das alle Menschen einschließt, ganz egal, wen sie lieben, und ganz egal, ob sie sich als Frau, als Mann oder als nicht-binär identifizieren.

    Dieses Miteinander ist keine Selbstverständlichkeit, sondern musste hart erkämpft werden:

    Der Christopher Street Day steht in der kämpferischen Tradition der Schwulen-, Lesben- und Transbewegung. Ein breit getragenes Gefühl von politischer Selbstwirksamkeit und von Zusammenhalt nahm seinen Ausgang 1969 in New York, als sich zum ersten Mal Besucher*innen einer Szenebar gegen willkürliche polizeiliche Maßnahmen wehrten.

    Solche Szenen sind für uns heute kaum noch vorstellbar, aber am Ziel sind wir noch lange nicht: In weiten Teilen der Welt stehen homosexuelle Handlungen noch heute unter Strafe, und auch hierzulande halten sich einige reformbedürftige Gesetze, gesellschaftliche Vorurteile und Diskriminierungen in unterschiedlichen Formen. 

    Wir möchten mit unserer Teilnahme unsere Solidarität gegenüber all jenen erklären, die auch heute noch schmerzlich von feindseligen Äußerungen betroffen sind. Solidarität mit all jenen, die sich aus Angst vor Stigmatisierung verborgen halten. Solidarität mit all jenen, die zweifeln. Und Solidarität mit all jenen, die in der Vergangenheit nach vorne getreten sind und heute nach vorne treten und ihre Plätze in einer oftmals noch viel zu engen Gesellschaft einfordern.

    Schätzungsweise 10.000 queere Herner*innen leben in unserer Mitte.

    Euch sagen wir: Niemand soll euch dafür anfeinden, wen ihr liebt und welcher geschlechtlichen Identität ihr euch zugehörig fühlt. 

    In eurem Kampf gegen Diskriminierung und für gleiche Rechte steht das Bündnis Herne an eurer Seite!

    Das Bündnis Herne wünscht von Herzen einen lauten, schrillen und bunten
    Online-CSD 2021. Wir freuen uns, im nächsten Jahr endlich mit euch gemeinsam auf die Straße zu gehen!

  • SharePic zur Online-Podiumsdiskussion des Bündnis Herne "Shalom und Salam"

    Shalom und Salam – Die Auswirkungen des Nahostkonfliktes auf unser Miteinander

    Das Bündnis Herne und die Partnerschaft für Demokratie Herne (PfD Herne) laden ein!

    Am 30.06. streamen wir ab 19:00 Uhr live aus dem Stadtteilzentrum Pluto in Wanne-Eickel eine Podiumsdiskussion zu diesem Thema.

    Als die Auseinandersetzungen in Nahost in den vergangenen Wochen neuerlich aufflammten, hatte dies auch in Deutschland Folgen:

    Auf Pro-Palästina-Kundgebungen brach sich – von Gelsenkirchen bis Berlin – Antisemitismus Bahn; hier lebende Jüdinnen und Juden wurden für das Handeln der israelischen Regierung verantwortlich gemacht, allein weil sie dem jüdischen Glauben angehören. Es gab Angriffe auf Synagogen, Israel-Flaggen wurden verbrannt und Rufe wie „Scheiß Juden“ wurden über die Nachrichten und die sozialen Medien in sämtliche Wohnzimmer der Republik gespült. Auch wenn viele Kundgebungsteilnehmende bestritten, antisemitisch zu sein, gilt aber doch: Wer nicht für einen Antisemiten gehalten werden möchte, sollte auch keine antisemitischen Aussagen verbreiten und sich besser über den Hintergrund bestimmter Phrasen und Sprechchöre informieren.

    Einmal mehr wurde deutlich: Antisemitismus hat viele Gesichter und ist auch hierzulande mitnichten überwunden!

    Auch die meisten hier lebenden Muslim:innen waren erschrocken über den Judenhass, viele erklärten ihre Solidarität mit den jüdischen Gemeinden. In der Folge sahen sich viele dieser Muslim:innen einer doppelten Front gegenüber: Ohne zu differenzieren wurden rassistische Pauschalisierungen laut, und das Problem des Antisemitismus wurde zum alleinigen Problem von Muslim:innen erklärt. Dabei wurde leichthin ignoriert, dass antisemitische Weltsichten in sämtlichen Teilen der Bevölkerung und der gesamten Bandbreite des politischen Spektrums verbreitet sind. Doch damit nicht genug: Solidarische Muslim:innen mussten sich Vorwürfe gefallen lassen, sich illoyal gegenüber der Sache der Palästinenser:innen zu verhalten. Vielen wurde deshalb Verrat vorgeworfen.

    Viel Gesprächsstoff also für unser Podium!

    Wir können und wollen mit unseren Möglichkeiten nicht „den Nahostkonflikt“ erklären und lösen. Aber wir wollen mit unseren Podiumsgästen überlegen, was wir gemeinsam tun können, damit diese multiplen Problemlagen nicht weiter die Integrationsarbeit und das friedliche Zusammenleben verschiedener Kulturen in unserer Stadt und im gesamten Land gefährden.“ 

    Unsere Gäste an diesem Abend sind

    Anton Tsirin
    Schauspieler
    Präsident von Makkabi Deutschland Jugend
    Jugendreferent beim Landesverband der jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe
    Mitbegründer von „Kibbuz e.V. – Zentrum für Kunst, Kultur und Bildung“


    Tuncay Nazik
    Leiter islamische Gemeinde Herne Röhlinghausen e.V.

    Sobitha Balakrishnan
    DINX-Institut

    Micha Neumann
    Antidiskriminierungsberater ADIRA

    Rabeya Müller
    Liberal-Islamischer Bund e.V.

    Fadl Speck (Moderation)
    Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus e.V.


    Wir freuen uns über zahlreiches Einschalten!


    Der Livestream läuft über den Youtube-Kanal des Bündnis Herne.

  • Tuncay Nazik von der Islamischen Gemeinde Röhlinghausen e.V.

    Warum ich ein besorgter Bürger bin

    Ja, ich gebe zu: Auch ich bin ein besorgter Bürger.

    Und ich möchte, dass meine Sorgen genauso ernstgenommen werden, wie es die AfD- und Pegida-Anhänger für ihre vermeintlichen Ängste einfordern.

    Ja, ich mache mir Sorgen, wenn meine Religion von Terroristen missbraucht wird.

    Ja, ich mache mir Sorgen, wenn ausländische Konflikte nach Deutschland übertragen werden.

    Ja, ich mache mir Sorgen, dass Einsatzkräfte, Polizei, Feuerwehr oder Ärzte immer mehr angegriffen werden.

    Ja, ich mache mir Sorgen, wenn seit 2016 125 Straftaten gegen Mandatsträger ausgeübt wurden. 

    Ich mache mir aber mehr Sorgen darüber, wenn etablierte politische Parteien sich mit Faschisten einlassen und mit deren Stimmen Ministerpräsident werden.

    Ich mache mir Sorgen, wenn in Deutschland innerhalb eines Jahres 110 Angriffe auf Moscheen registriert werden und das kaum in den Medien erwähnt wird.

    Ich mache mir Sorgen, wenn auf offener Straße Kippa tragende Juden oder Kopftuch tragende Mädchen angespuckt oder beleidigt werden.

    Ich mache mir Sorgen, wenn an dem Tag der Auschwitz Befreiung hochrangige Politiker direkt auf Muslime zeigen und die Worte „Nationalsozialismus“ oder „Deutschland“ nicht einmal erwähnen, obwohl der Holocaust ein deutsches Verbrechen und kein muslimisches war. 

    Ich mache mir Sorgen, wenn Sätze wie die folgenden gesagt werden dürfen:

    • “Bescheidenheit bei der Entsorgung von Personen ist unangebracht” (Jörg Meuthen, AfD)
    • „Homosexuelle ins Gefängnis? Das sollten wir in Deutschland auch machen! (Andreas Gehlmann, AfD)
    • „Ich würde niemanden verurteilen, der ein bewohntes Asylantenheim anzündet.“ (Marcel Grauf, Referent von Dr. Christina Baum, AfD und Heiner Merz, AfD)
    • „Wir sollten eine SA gründen und aufräumen!“ (Andreas Geithe, AfD)
    • „Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet!“ (Markus Frohnmaier, AfD)
    • „Brennende Flüchtlingsheime sind kein Akt der Aggression.“ (Sandro Hersel, AfD)
    • „Das große Problem ist, dass man Hitler als das absolut Böse darstellt.“ (Björn Höcke, AfD)
    • „Das Pack erschießen oder zurück nach Afrika prügeln.“ (Dieter Görnert, AfD)
    • „Immerhin haben wir jetzt so viele Ausländer im Land, dass sich ein Holocaust mal wieder lohnen würde.“ (Marcel Grauf, Referent von Dr. Christine Baum, AfD und Heiner Merz, AfD)
    • „Ich wünsche mir so sehr einen Bürgerkrieg und Millionen Tote. Frauen, Kinder. Mir egal. Es wäre so schön. Ich will auf Leichen pissen und auf Gräbern tanzen. SIEG HEIL!“ (Marcel Grauf, Referent von Dr. Christina Baum, AfD und Heiner Merz, AfD)
    • „Wir müssen ganz friedlich und überlegt vorgehen, uns ggf. anpassen und dem Gegner Honig ums Maul schmieren aber wenn wir endlich soweit sind, dann stellen wir sie alle an die Wand. (…) Grube ausheben, alle rein und Löschkalk oben drauf.“ (Holger Arppe, AfD)

    Ich habe Angst, dass wir vor lauter Ängsten und Sorgen unsere Menschlichkeit vergessen. 

    Ich habe Angst, dass gesellschaftliche Gruppen gegeneinander ausgespielt werden und Hass geschürt wird. 

    Ich habe Angst, dass die AfD, Pegida und Co. weiter in die Mitte der Gesellschaft vorstoßen und das Klima in der offenen Gesellschaft vergiften.

    Und ja, ich habe Angst, dass all meine Sorgen und Ängste Realität werden, wenn man auf die Sorgen und Ängste der „besorgten Bürger“ eingeht, ihnen den Raum überlässt und die Demokraten es sich gemütlich machen. 

    Lasst uns aber nicht von unseren Ängsten leiten und verwalten. Jetzt erst recht werden wir uns noch stärker für die Gesellschaft einsetzen, für ein friedliches Miteinander arbeiten, uns öffnen und zeigen, dass unsere Demokratie wehrhaft bleibt und unsere Ängste nicht von Rechten oder Extremisten instrumentalisiert werden. 

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