Schlagwort: Rechtsextremismus

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    „Sachsen-Anhalt geht uns alle an“: Mehr als 400 Menschen bei unserer Kundgebung

    Mehr als 400 Menschen sind am Donnerstagabend, 10. September, unserem Aufruf zur Kundgebung „Sachsen-Anhalt geht uns alle an“ auf den Robert-Brauner-Platz gefolgt. Wir freuen uns über diesen großen Zuspruch aus der Herner Zivilgesellschaft und über die vielen wertschätzenden Rückmeldungen, die wir während und nach der Kundgebung erhalten haben.

    Bereits um 17 Uhr hatten sich rund 150 Menschen an der Kreuzkirche zu einem interkonfessionellen Gebet für Frieden und Toleranz versammelt. Vertreter:innen der evangelischen und katholischen Kirche sowie der islamischen Gemeinde Röhlinghausen traten dort in Worten und Gebeten für Vielfalt, Toleranz und Mitmenschlichkeit ein. Anschließend machten sich die Teilnehmer:innen gemeinsam durch die Herner Innenstadt auf den Weg zum Robert-Brauner-Platz.

    Fünf Redebeiträge auf dem Robert-Brauner-Platz

    Um 17:45 Uhr begrüßte Melanie Jansen für das Bündnis Herne die Teilnehmer:innen und eröffnete die Kundgebung. Den ersten Redebeitrag hielt Jörg Höhfeld, der „Schorsch aus Baukau“. Mit Blick auf das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt erinnerte er daran, diejenigen zu unterstützen, die dort nicht die AfD gewählt haben. Sein Appell in Anspielung auf einen Hit der Band Herne 3: „Immer wieder aufstehen! Immer wieder sagen: Es geht doch!“

    Pooya Shojaee vom Kulturell-Alternativen Zentrum Herne e.V. richtete anschließend den Blick besonders auf junge Menschen und Kürzungen im Jugendbereich. Seine Forderung: „Gebt der Jugend Raum zurück, dann hat der Hass keine Chance.“

    Nach einer musikalischen Unterbrechung sprach Kerstin Brosius für die Eltern gegen Rechts – Herne. Sie forderte, die rechtsstaatlichen Möglichkeiten für ein Verbotsverfahren gegen die AfD zu nutzen, und wandte sich dabei auch direkt an NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst: „Herr Wüst, machen Sie keine Arbeitsgruppe, stellen Sie einfach einen Antrag!“

    Melanie Jansen sprach anschließend für die Glaubensgemeinschaften. Sie betonte, dass Ordnung und Menschlichkeit keine Gegensätze seien, und warb dafür, auch bei unterschiedlichen Positionen miteinander im Gespräch zu bleiben: „Wir müssen wieder lernen, zu diskutieren, ohne einander die Würde abzusprechen.“

    Den letzten Redebeitrag hielt Cordula Vordenbäumen für das Bündnis Herne. Sie knüpfte an unser Statement zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt an. Die wichtigste Ressource für unser Engagement seien Menschen, die mitmachen und sich beispielsweise Gesprächen mit unentschlossenen Wähler:innen stellen oder Ideen für Aktionen, Flyer und Plakate einbringen. Ihr Appell: „Macht mit, bevor es zu spät ist. Demokratie ist nämlich ein Mitmachverein. Die Zeit, zu handeln, ist jetzt.“

    Mit bunten Bändern miteinander verbunden

    Zum Abschluss wurde es auf dem Robert-Brauner-Platz noch einmal ganz praktisch: Wir verteilten farbige, jeweils 25 Meter lange Kreppbänder an die Teilnehmer:innen. Die Bänder wurden durch die Menge weitergereicht, bis die Menschen auf dem Platz miteinander verbunden waren.

    Dabei kamen viele Teilnehmer:innen direkt miteinander ins Gespräch – genau das war das Ziel der Aktion.

    Während der Kundgebung verteilten wir außerdem Postkarten zum Herner Versprechen.

    Unter den Teilnehmer:innen waren neben den Jusos auch die Omas gegen Rechts – Bochum & West sowie das Bündnis Recklinghausen Es REicht.

    Gegen 18:45 Uhr beendete Melanie Jansen die Kundgebung.

    Wir bedanken uns bei allen, die gekommen sind, bei den Redner:innen, den Glaubensgemeinschaften, den Eltern gegen Rechts – Herne und allen, die an der Vorbereitung und Durchführung beteiligt waren.

    Vor allem freuen wir uns darüber, dass so viele Menschen an diesem Abend gemeinsam auf dem Robert-Brauner-Platz waren und miteinander ins Gespräch gekommen sind.

    Die Reden

    Jörg Höhfeld („Der Schorsch aus Baukau“)

    Tach, ich bin der Schorsch aus Baukau und das Wahlergebnis aus Sachsen-Anhalt hat mich fast umgehauen, aber mein Stock hat mich dann doch davor bewahrt. Wir alle dürfen nämlich jetzt nicht in eine Schockstarre verfallen, wir demokratischen AntifaschistInnen müssen weiter für ein offenes, buntes, diverses Deutschland kämpfen.

    Und so grüssen wir die Menschen in Sachsen-Anhalt, die nicht AfD gewählt haben, denn „wer im Stich lässt seinesgleichen lässt ja nur sich selbst im Stich“. (B.Brecht).

    „Weil wir dieses Land verbessern, lieben und beschirmen wirs“ hat Bert Brecht einst geschrieben. Und wir werden es verteidigen. Lass sie mal kommen auf ihren Simson Schwalben. Dann holen wir unsere Zündapp aus der Garage und schwingen uns auf die Kreidler Florett. Und weil wir keine völkischen Nationalisten sind, machen auch die Honda und Suzuki Fahrerrinnen mit und auch die Moto Guzzis sind dabei. Und ganz vorne fährt die Harley Davidson Gruppe und auf unseren Plakaten steht die Losung unserer Freunde aus Spanien und Lateinamerika: No pasaran – sie werden nicht durchkommen.

    Deshalb gilt unsere Solidarität den Frauen und Männern, die weiter Tag für Tag für Demokratie und Offenheit in Sachsen-Anhalt kämpfen und wir grüssen sie aus Herne mit dem alten Hit von „Herne 3“: Immer wieder aufstehen, immer wieder sagen es geht doch!

    Bis die Tage

    Pooya Shojaee (Kulturell-Alternativen Zentrum Herne e.V.)

    Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Freundinnen und Freunde der Subkultur,
    ​wenn wir über das Erstarken der AfD im Osten und im nördlichen Ruhrgebiet sprechen, müssen wir über Räume reden. Räume, die wir jungen Menschen genommen haben – und Räume, die sich jetzt andere greifen.

    ​Aus Sicht einer kultur-alternativen Szene ist der Erfolg der Rechten in diesen strukturschwachen Regionen kein Zufall, sondern das direkte Ergebnis einer jahrelangen, verheerenden Sparkultur und politischer Gleichgültigkeit.

    ​Warum verfangen rechte Parolen genau hier?

    ​Erstens: Der Rückzug des Staates und der Verlust Freier Räume.

    In den letzten Dekaden wurden im Osten wie im Revier unter dem Deckmantel der Konsolidierung Schwimmbäder geschlossen, Jugendzentren abgewickelt und Budgets für soziokulturelle Zentren zusammengestrichen. Wo einst Orte der Begegnung, des Ausprobierens und der Diversität waren, herrscht oft gähnende Leere. Jugendarbeit wurde von einer Pflichtaufgabe zu einer freiwilligen Leistung degradiert, an der bei klammen Kommunalkassen zuerst gespart wird. Die Botschaft an die Jugend in Herne, Gelsenkirchen oder in der ostdeutschen Provinz war klar: Ihr seid uns keinen Cent wert. Eure Kultur zählt nicht.

    ​Zweitens: Das Vakuum wird gefüllt.

    Wo die demokratische Zivilgesellschaft und subkulturelle Netzwerke weggespart werden, entsteht ein Vakuum. Und rechte Strukturen haben das extrem klug und eiskalt ausgenutzt. Im Osten haben Freie Kameradschaften, rechte Sportclubs und rechtsextreme Netzwerke Räume besetzt – sie bieten Jugendräume, Grillabende, Sportangebote und ein Pseudo-Gefühl von Gemeinschaft. Im Ruhrgebiet begegnen wir einer kollektiven Perspektivlosigkeit, in der rechte Vereinfacher eine vermeintliche Heimat versprechen. Wenn es keinen selbst verwalteten Jugendclub, keinen Skatepark und kein autonomes Zentrum mehr gibt, wird die rechte Dorfkneipe oder die rechte Jugendgruppe zur einzigen Anlaufstelle.

    Drittens: Der Angriff auf das Verschiedensein.

    Subkultur bedeutet Vielfalt, Reibung, Kritik und das Recht, anders zu sein. Das passt nicht ins völkische, autoritäre Weltbild der AfD. Sie nutzt die Wut der abgehängten Regionen und lenkt sie gezielt auf Minderheiten und freie Kulturprojekte um. Wenn Gelder für Zivilgesellschaft gekürzt werden, trifft das zuerst genau die Orte, an denen junge Menschen lernen, eigenständig und kritisch zu denken.

    ​Sind junge Menschen und Jugendsozialarbeit also vernachlässigt worden?

    Ja, absolut. Es war ein episches Systemversagen. Man hat geglaubt, man könne einer ganzen Generation die soziale Infrastruktur wegsparen, ohne dass es politische Konsequenzen hat.

    ​Aber unsere Antwort darauf darf nicht Ressentiment sein. Unsere Antwort muss Rückeroberung heißen!

    ​Wir brauchen keine Repression, sondern Infrastruktur. Wir brauchen Räume, in denen laut Musik gemacht werden kann, in denen gesprayt, diskutiert, gepunkt und gelebt werden kann – ohne Konsumzwang und ohne Bevormundung. Jugendsozialarbeit ist kein Luxusgut, sondern das Fundament einer lebendigen Demokratie.

    ​Wer die AfD stoppen will, darf das Geld nicht in Symbolpolitik stecken, sondern muss es in selbst verwaltete Jugendzentren, Soziokultur und Sozialarbeit vor Ort investieren! Gebt der Jugend ihren Raum zurück – dann hat der Hass keine Chance mehr!

    ​Vielen Dank.

    Kerstin Brosius (Eltern gegen Rechts – Herne)

    Ich weiß nicht wie es euch geht, aber mich haben die Ergebnisse am Sonntagabend schockiert. Bis zuletzt habe ich gehofft, dass die Prognosen sich nicht bewahrheiten werden und dann kam es sogar noch heftiger. 43,8%! Alter! Der weitere Wahlabend verlief wie ein Fiebertraum. Wird da etwa einer gesichert rechtsextremen Partei zum Sieg einer demokratischen Wahl gratuliert?! Verfassungsfeinden wird gratuliert?!

    Verfassungsfeinde gehören verboten.

    Wirklich, ihr Lieben, ich kann nicht mehr. Seit Januar fahre ich regelmäßig nach Düsseldorf um die Politik aufzufordern alle Parteien, die vom Verfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall oder gesichert rechtsextrem eingestuft werden, durch das Bundesverfassungsgericht zu überprüfen. Seit Januar! Welchen Monat haben wir jetzt?!

    Deshalb lasse ich auch das Argument nicht gelten, ach jetzt wo sie eine Wahl gewonnen haben, wollt ihr sie verbieten. Nein, wir wollen das schon viel länger.

    Mit unserem Grundgesetz sind genau dafür Mittel und Wege geschaffen worden. Es ist etwas kompliziert, aber an alles gedacht. Das Bundesverfassungsgericht entscheidet über die Verfassungswidrigkeit einer Partei. Das Verfahren zur Prüfung kann durch den Bundestag, Bundesrat oder durch die Bundesregierung beantragt werden. Und wenn das Bundesverfassungsgericht zu dem Urteil kommt, dass eine Partei darauf ausgerichtet ist die freiheitlich demokratische Grundordnung zu gefährden, also verfassungswidrig ist, wird nicht nur die Partei an sich aufgelöst, sondern auch Ersatzorganisationen verboten.

    Das hat sogar schon funktioniert! 1952 wurde die SRP, die sozialistische Reichspartei verboten. Sie verstand sich als Nachfolgepartei der Nazis, vertrat offen nationalsozialistische Positionen und lehnte die parlamentarische Demokratie ab.

    Damals hat die Bundesregierung den Antrag beim Bundesverfassungsgericht gestellt. Was die AfD betrifft sind wir im Bundesrat auf einem guten Weg und einige Bundesländer positionieren sich sogar offen für eine Prüfung.

    Bei uns in NRW ist man da sehr zögerlich. Herr Wüst, machen Sie keine Arbeitsgruppen, stellen Sie einfach einen Antrag!

    Was wollen Sie da noch in einer Arbeitsgruppe erarbeiten? Wir kennen alle das Gutachten der Gesellschaft für Freiheitsrechte. Wie wir wissen, kommt es zu dem Schluss, dass ein Verbotsverfahren sehr wahrscheinlich erfolgreich ist. Ich weiß, es wird viel im Konjunktiv geschrieben, aber wir haben nur diese eine Chance. Für mein Engagement gegen Rechts bin ich bereits angefeindet worden. Auch wenn ich mich nicht einschüchtern lasse, macht es mir dennoch Angst. Hass ist nicht mehr irgendetwas in den Nachrichten, es trifft nicht nur mich im echten Leben. Als Mutter habe ich ehrlicherweise auch Angst um meine Kinder.

    Wenn die AfD politische Macht bekommt, sind wir alle politischer Gegner und da wir das Gutachten der Gesellschaft für Freiheitsrechte kennen, wissen wir auch, was die AfD mit ihren politischen Gegnern vorhat. Die Möglichkeiten unseres Rechtsstaates müssen genutzt werden!

    Ich vergleiche die AfD gerne mit einem ungebetenen Gast auf einer Party. Dieser Gast pöbelt nur rum, demoliert das Wohnzimmer und hinterlässt schlammig braune Fußabdrücke. Würdet ihr in so einer Situation erstmal fragen, wer hat diesen Gast eingeladen? Was findest du denn an diesem Gast so toll, dass du diesen mit zu meiner Party gebracht hast? Oder würdet ihr erstmal dafür sorgen, dass der Gast wieder verschwindet, bevor euer Wohnzimmer komplett dreckig und zerstört ist?

    Und wir alle haben die Möglichkeit dafür zu sorgen, dass dieser ungebetene Gast rausgeworfen wird. Samstag ist um 14 Uhr in Düsseldorf die nächste Prüf-Demo. Das Land braucht eine starke Zivilgesellschaft. Und das ist nicht irgendwer aus den Medien, das sind du und ich. Jeder und jede von uns macht einen Unterschied, inspiriert andere und kann Eindruck machen auf diejenigen die einen Prüfantrag beim Bundesverfassungsgericht stellen können! Also auf nach Düsseldorf mit uns!

    Melanie Jansen (für die ev. und kath. Kirche und die Islamische Gemeinde)

    Wir sind heute hier, weil uns etwas verbindet: die Sorge um unser Land – und die Hoffnung auf eine Gesellschaft, in der Menschen verschieden sein dürfen und trotzdem zusammengehören.

    Ich spreche heute hier als Christin.

    Denn Christsein bedeutet für mich nicht, bei politischen Fragen die Augen zu verschließen. Im Gegenteil: Unser Glaube verpflichtet uns, hinzusehen, wenn Menschen ausgegrenzt werden, wenn Angst geschürt wird und wenn die Würde von Menschen davon abhängig gemacht wird, woher sie kommen.

    Jesus sagt: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“

    Er sagt nicht: Deinen deutschen Nächsten.
    Er sagt nicht: Deinen christlichen Nächsten.
    Er sagt nicht: Deinen Nächsten, der dir kulturell ähnlich ist.

    Er sagt: deinen Nächsten.

    Und genau daran müssen sich auch politische Programme messen lassen.

    Die AfD spricht häufig von christlicher Kultur, von Tradition und von der Bewahrung des Abendlandes. Aber christliche Werte sind mehr als Tradition und nationale Identität.

    Christlicher Glaube beginnt nicht mit der Frage: „Wer gehört zu uns?“

    Er beginnt mit der Aussage: Jeder Mensch ist Geschöpf Gottes.

    Jeder Mensch besitzt Würde – unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Sprache, sozialem Status oder politischer Einstellung.

    Deshalb widerspreche ich einer Politik, die Menschen vor allem als Problem betrachtet: als Migranten, als Flüchtlinge, als Fremde oder als Belastung.

    Natürlich braucht ein Staat Regeln.
    Natürlich müssen Grenzen kontrolliert werden.
    Natürlich muss Kriminalität konsequent verfolgt werden.
    Natürlich müssen Integration und Migration politisch gestaltet werden.

    Aber Ordnung und Menschlichkeit sind keine Gegensätze.

    Wir dürfen Probleme benennen, ohne Menschen abzuwerten.

    Wir dürfen über Migration diskutieren, ohne gegen Migrantinnen und Migranten Stimmung zu machen.

    Und wir dürfen für unser Land eintreten, ohne anderen Menschen ihre Zugehörigkeit abzusprechen.

    Und genauso gilt: Wer Sorgen über Migration hat, ist deshalb noch lange kein Rassist.

    Wir müssen wieder lernen, miteinander zu diskutieren, ohne einander die Würde abzusprechen.

    Aber wir müssen auch klar widersprechen, wenn politische Sprache Menschen gegeneinander aufbringt.

    Christlicher Glaube ist keine Religion der Angst.

    Er ist eine Religion der Hoffnung.

    Und deshalb sage ich als Christin:

    Ich möchte keine Politik, die Menschen gegeneinander ausspielt.

    Ich möchte keine Politik, die Angst vor dem Fremden zur Identität macht.

    Ich möchte keine Politik, die christliche Begriffe benutzt, aber den Kern des Evangeliums vergisst.

    Ich möchte eine Gesellschaft, in der Menschen zusammenstehen können, wie sie sind, wie wir heute hier. In der Menschen verschieden sein dürfen und trotzdem zusammengehören.

    Cordula Vordenbäumen (Bündnis Herne)

    Beim CSD vor zwei Monaten hat jemand zu uns gesagt: „Ach, Sachsen-Anhalt. Wir sind hier ja nicht in Sachsen-Anhalt. Das betrifft uns hier ja gar nicht.“ Das war neulich schon falsch.

    Und jetzt sehen wir, wie grässlich sich dieser Mensch geirrt hat.

    Deshalb: Sachsen-Anhalt geht uns alle an! Die Entwicklung dort hat nämlich nicht nur Auswirkungen auf die ganze Republik, sie ist auch in anderen Bundesländern möglich.

    Wir werden aber nicht erschrocken und tatenlos abwarten, wie die Landtagswahl in NRW nächstes Jahr im April wohl ausgehen wird.

    Das Bündnis Herne und andere Initiativen und Vereine setzen sich zum Teil seit Jahren für die Demokratie, Menschenwürde und gesellschaftlichen Zusammenhalt ein – und gegen Rechtsextremismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit.

    Allen, die uns für unser ehrenamtliches Engagement auf die Schultern klopfen, sagen wir „vielen Dank für eure Wertschätzung“. Das bestärkt uns, nicht aufzugeben!

    Auch eure finanzielle Unterstützung ist enorm wichtig: um Materialien zu beschaffen, Workshops und Veranstaltungen durchzuführen und so weiter.

    Anders als in den Kommentarspalten der antisozialen Medien penetrant behauptet wird, werden wir nämlich nicht „vom Staat“ bezahlt, sondern finanzieren uns weitestgehend aus Mitgliedsbeiträgen und gelegentlichen Spenden.

    Aber reicht das aus? Nein, längst nicht mehr! Mit euren solidarischen Posts und Sharepics erreicht ihr vor allem eure eigene Bubble. Menschen, die überlegen, die noAfD zu wählen, erreicht ihr damit eher nicht. Das geht nur im Gespräch – also im echten Gespräch, nicht in einem Wortgefecht in anonymen Kommentarspalten in den antisozialen Medien.

    Und es reicht auch längst nicht mehr, nur dann da zu sein, wenn Nazis durch unsere Straßen laufen und es eine Gegendemo mit viel Geschrei gibt.

    Etwa eine Woche vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt waren 31 Prozent der Wahlberechtigten noch unentschlossen, was sie wählen würden. 31 Prozent!

    Wir müssen also raus auf die Straßen und Plätze dieser Stadt, um unentschlossene Wahlberechtigte vom Wert der Demokratie zu überzeugen und sie davon abzubringen, aus purer Unzufriedenheit die noAfD zu wählen.

    Und damit dürfen wir nicht erst vier Wochen vor der Landtagswahl anfangen.

    Überzeugte noAfD-Wähler:innen werden wir wohl nicht so leicht ins „Team Demokratie“ zurückholen können.

    Hier sind die demokratischen Parteien in der Pflicht, sich etwas mehr Mühe zu geben.

    Wir, also die Vereine und Initiativen, sollten uns verstärkt auf diejenigen konzentrieren, die noch nicht final zu „Team Blau-Braun“ abgedriftet sind. Bei den Unentschlossenen, die ihre Entscheidung noch nicht getroffen haben, können wir mit echten Gesprächen noch etwas erreichen!

    Den Kampf um die Demokratie können aber nicht ein paar wenige stemmen, bestärkt durch Schulterklopfen und „Daumen hoch“-Emojis.

    Wir tun das alle ehrenamtlich – und die meisten von uns machen das neben ihren beruflichen und familiären Verpflichtungen. Oft genug kommt das Privatleben dabei zu kurz.

    Unsere wichtigste Ressource ist daher nicht eure Anerkennung oder euer Geld.

    Unsere wichtigste Ressource sind Menschen, die mitmachen, die sich den Gesprächen an den Infoständen stellen, die Ideen einbringen für Aktionen, Flyer, Plakate … Es gibt vielfältige Möglichkeiten, auch im Hintergrund gibt es immer reichlich zu tun. Dabei können wir jede Unterstützung gebrauchen!

    Deshalb rufen wir euch auf:

    Sofern ihr das nicht schon tut: Engagiert euch in Initiativen und Vereinen, die sich für eine vielfältige, solidarische Gesellschaft einsetzen! Davon gibt es eine ganze Reihe, mit sehr unterschiedlicher Ausrichtung. Da ist doch bestimmt für jede und jeden was dabei!

    Kommt zum Beispiel

    • zum Bündnis Herne
    • zu den Eltern gegen Rechts
    • zu den Schirmen gegen Rechts
    • zu den Omas gegen Rechts
    • zum Herner Antifa Treff,
    • zum Kulturell-Alternativen Zentrum oder
    • zum Queer in Herne e. V.

    Und ich habe in meiner Aufzählung jetzt bestimmt noch irgendwen vergessen. Schaut euch einfach mal um!

    Oder ihr engagiert euch bei den Trägern der Freien Wohlfahrt, bei den Glaubensgemeinschaften, bei der Freiwilligen Feuerwehr, im Sport- oder Kaninchenzüchterverein – oder sogar bei einer der demokratischen Parteien!

    Eigentlich ist es fast egal, wo ihr mitmacht, Hauptsache, ihr kommt dabei mit echten Menschen ins Gespräch, vielleicht auch mit solchen, die nicht direkt zu eurer eigenen Bubble gehören!

    Macht mit, bevor es zu spät ist!

    Demokratie ist nämlich ein Mitmach-Verein!

    Die Zeit zum Handeln ist JETZT!

  • SharePic BH Wahl in Sachsen-Anhalt

    Sachsen-Anhalt geht uns alle an! Zeit zum Handeln!

    Eine Woche vor der Wahl in Sachsen-Anhalt waren 31 Prozent der Wahlberechtigten noch unentschlossen, wem sie ihre Stimme geben würden. 31 Prozent!
    Alle, die jetzt entsetzt auf die Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt schauen, müssen erkennen:

    Sachsen-Anhalt geht uns alle an! Die Entwicklung dort ist auch in anderen Bundesländern möglich.

    Alle, die uns für unser ehrenamtliches (!) Engagement auf die Schultern klopfen, rufen wir auf:

    Engagiert euch in Initiativen und Vereinen, die sich für eine vielfältige, solidarische Gesellschaft einsetzen. Sammelt Erfahrungen im Gespräch mit Menschen an Infoständen!

    Die überzeugten AfD-Wähler:innen werden wir wohl nicht ins demokratische Lager zurückholen können. Aber bei den Unentschlossenen, die ihre Entscheidung erst kurz vor dem Wahltag treffen, können wir noch etwas erreichen!

    Den Kampf um die Demokratie können aber nicht ein paar wenige stemmen, lediglich bestärkt durch Schulterklopfen und „Daumen hoch“-Emojis. Keine Frage: Eure Spenden und Mitgliedsbeiträge sind enorm wichtig, um Materialien zu beschaffen, Workshops durchzuführen und so weiter.
    Unsere wichtigste Ressource ist aber nicht Geld. Unsere wichtigste Ressource sind Menschen, die mitmachen, die sich den Gesprächen mit unentschlossenen Wähler:innen stellen, die Ideen einbringen für Aktionen, Flyer, Plakate … Es gibt so vielfältige Möglichkeiten!

    Solidarische Posts sind wichtig, weil wir uns damit gegenseitig bestärken. Aber reicht das aus? Nein, längst nicht mehr! Mit solidarischen Posts erreichen wir vor allem unsere eigene Bubble. Menschen, die überlegen, die AfD zu wählen, erreichen wir damit nicht. Das geht nur im Gespräch – also im echten Gespräch, nicht in einem Wortgefecht in anonymen Kommentarspalten in den sozialen Medien.

    Demokratie ist ein Mitmach-Verein!

    Macht mit, bevor es zu spät ist!

    Zeit zum Handeln!

  • SharePic 7 Jahre Bündnis Herne

    Sieben Jahre Bündnis Herne

    🎉 7 Jahre Bündnis Herne!

    Am 20. August 2019 wurde das Bündnis Herne zum ersten Mal öffentlich sichtbar. Rund 500 Menschen kamen auf dem Robert-Brauner-Platz zusammen, um sich einem rechtsextremen „Spaziergang“ entgegenzustellen und gemeinsam für Demokratie und ein vielfältiges Herne einzustehen.

    Das war vor sieben Jahren. Seitdem ist viel passiert.

    Wir haben Kundgebungen und Mahnwachen organisiert, diskutiert, Workshops und Veranstaltungen auf die Beine gestellt und immer wieder Stellung bezogen, wenn demokratische Werte angegriffen wurden. Mit dem Herner Versprechen ist ein weiteres starkes Zeichen für demokratische Zusammenarbeit in unserer Stadt hinzugekommen.

    Aus einer Initiative wurde 2023 ein Verein. Geblieben ist, was uns seit 2019 ausmacht: Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen bringen sich ein und übernehmen gemeinsam Verantwortung für unsere Demokratie.

    Und wir waren dabei nie allein. Viele Menschen, Vereine, Gewerkschaften, Religionsgemeinschaften, Initiativen und demokratische Parteien haben uns in den vergangenen sieben Jahren unterstützt, begleitet und mit uns gemeinsam Haltung gezeigt.

    Dafür sagen wir Danke! ❤️

    Sieben Jahre nach unserer ersten Kundgebung wissen wir genauso wie damals: Demokratie funktioniert nicht von allein. Sie braucht Menschen, die sich einmischen, miteinander reden und widersprechen, wenn andere unsere offene Gesellschaft infrage stellen.

    Wir machen weiter.

    Für Demokratie. Vielfalt. Zusammenhalt.
    Mitmachen. Mitreden. Miteinander.

  • Foto mit dem unterschriebenen Herner Versprechen mit allen Parteivertreter:innen

    Auch 2025: Demokratie muss stabil bleiben, das Herner Versprechen muss halten

    Auch 2025: Demokratie muss stabil bleiben, das Herner Versprechen muss halten

    Nach einem Jahr 2024, in dem das Bündnis Herne durchschnittlich jede Woche eine Aktion organisierte, blicken wir besorgt in das Wahljahr 2025. In 2024 wurde das Herner Versprechen abgegeben, das weiterhin bundesweit einmalig ist. Die Herner Lokalpolitik steht stabil gegen Menschenfeindlichkeit; sie wird weiterhin nicht mit Akteur:innen zusammenarbeiten, die sich gegen die Würde des Menschen und gegen unsere Demokratie stellen, oder die sich durch ihre Geschichtsvergessenheit auszeichnen. Das Bündnis Herne verspricht seinerseits, sein Engagement und auch die Schlagzahl in 2025 beizubehalten.
    Die demokratische Auseinandersetzung zur Bundestagswahl wird überschattet von der großen Gefahr für die Demokratie: ein mögliches starkes Abschneiden der „Alternative für Deutschland“. Deren menschenfeindliche Pläne zur massenhaften Deportation Andersdenkender, als „Remigration“ beschönigt, dürfen nicht in Vergessenheit geraten! Herne muss immer wieder neu das im Februar 2024 gegebene Herner Versprechen einlösen und halten! Mit Blick auf die aktuelle Entwicklung in Österreich erwartet das Bündnis Herne von den lokalen demokratischen Parteien, weiterhin entsprechend auf ihre jeweiligen Entscheidungsträger:innen einzuwirken.
    Das Auseinanderbrechen der Bundesregierung und der harte Umgang der Parteien miteinander erzeugen große Unsicherheiten und Zerwürfnisse bereits im demokratischen Spektrum. Wenn eine Partei mit langer demokratischer Tradition bereits einen Wahlkampf als „offene Feldschlacht“ bezeichnet, will man sich nicht ausmalen, wie Feinde der Demokratie für unsere Zukunft planen. Die demokratische Mitte muss den Anstand wahren und darf sich nicht in den Strudel der verbalen Entgleisungen ziehen lassen. Ansonsten droht von dieser Seite eine weitere Gefahr für die Demokratie.
    Gerade deswegen sieht das Bündnis Herne ganz besonders im Jahr 2025 einen großen Bedarf, sich für die wehrhafte Demokratie, für Menschenrechte und für ein gutes Miteinander einzusetzen. „Wir werden auch weiterhin Menschenfeindlichkeit und Rechtsextremismus dort benennen und anprangern, wo wir ihn sehen. Wir werden weiterhin für Betroffene von Entgleisungen gegen die Gemeinschaft ansprechbar sein. Wir werden uns in den Wahlkämpfen und darüber hinaus für das demokratische Miteinander in Herne einsetzen.“ sagt Markus Vordenbäumen als 1. Vorsitzender des Bündnis Herne e.V.
    Als Herner Plattform für diesen Einsatz für eine wehrhafte, streitbare Demokratie steht das Bündnis Herne auch im Jahr 2025 bereit und wird Fortbildungen, Aktionen und Veranstaltungen planen und durchführen. Hierzu werden immer Mitstreiter:innen gesucht, die sich auf der Webseite buendnis-herne.de, per Mail oder beim nächsten Treffen Ende Januar informieren können.
    Bündnis Herne, Januar 2025
  • Mitglieder des Bündnis Herne mit Banner vor der Kreuzkirche in Herne

    Nazischmierereien im öffentlichen Herner Raum

    Am vorvergangenen Wochenende (22./23.10.2022) sind im öffentlichen Herner Raum (St. Bonifatius-Kirche und KUZ) Nazi-Schmierereien aufgetaucht. Das können und dürfen wir nicht unwidersprochen lassen!

    Wir vom Bündnis Herne werden uns nicht an Spekulationen über die Urheberschaft beteiligen. Das zu klären, ist Aufgabe der Polizei und des Staatsschutzes.

    Aber: Wer Hakenkreuze in den öffentlichen Raum schmiert, meint dies immer als Provokation.

    Das verurteilen wir vom Bündnis Herne von ganzem Herzen!

    Wir erklären uns solidarisch mit der betroffenen katholischen Kirchengemeinde St. Dionysius, die bei vielen unserer Aktivitäten an unserer Seite stand und steht.

    Es geht hier aber nicht nur um eine ärgerliche Sachbeschädigung.

    Hakenkreuze und Hitlergrüße im öffentlichen Raum sind vor allem eine Verhöhnung der unzähligen Opfer des Nationalsozialismus!

    Hakenkreuze und Hitlergrüße im öffentlichen Raum sind allerdings auch ein weiterer Beleg dafür, dass sich die Grenzen des Sag- und Machbaren verschoben haben und weiter verschieben: Hemmungen und Skrupel schwinden, wenn es darum geht, zu hetzen und zu diffamieren. Das rücksichtslose Herumtrampeln auf den Gefühlen anderer gehört für einige offenbar längst zu ihren Grundrechten. Hass und Hetze verletzen aber nicht nur Gefühle, sondern bieten auch den Nährboden für Gewalt. Das erfüllt uns schon länger mit großer Sorge!

    Dass wir dies nun hier in Herne erleben, macht einmal mehr deutlich, wie wichtig der Zusammenhalt der Herner Zivilgesellschaft ist.

    Wir müssen gemeinsam weiter aufklären, dagegen halten und unsere Stimmen erheben, wenn jemand Nazischeißdreck redet oder schreibt!“

    (dieses Statement haben wir am vergangenen Samstag im Anschluss an das wöchentliche Friedensgebet vor der Kreuzkirche verlesen. Vielen Dank an die Glaubensgemeinschaften, die uns den Rahmen zur Verfügung gestellt haben!)

  • Tuncay Nazik von der Islamischen Gemeinde Röhlinghausen e.V.

    Warum ich ein besorgter Bürger bin

    Ja, ich gebe zu: Auch ich bin ein besorgter Bürger.

    Und ich möchte, dass meine Sorgen genauso ernstgenommen werden, wie es die AfD- und Pegida-Anhänger für ihre vermeintlichen Ängste einfordern.

    Ja, ich mache mir Sorgen, wenn meine Religion von Terroristen missbraucht wird.

    Ja, ich mache mir Sorgen, wenn ausländische Konflikte nach Deutschland übertragen werden.

    Ja, ich mache mir Sorgen, dass Einsatzkräfte, Polizei, Feuerwehr oder Ärzte immer mehr angegriffen werden.

    Ja, ich mache mir Sorgen, wenn seit 2016 125 Straftaten gegen Mandatsträger ausgeübt wurden. 

    Ich mache mir aber mehr Sorgen darüber, wenn etablierte politische Parteien sich mit Faschisten einlassen und mit deren Stimmen Ministerpräsident werden.

    Ich mache mir Sorgen, wenn in Deutschland innerhalb eines Jahres 110 Angriffe auf Moscheen registriert werden und das kaum in den Medien erwähnt wird.

    Ich mache mir Sorgen, wenn auf offener Straße Kippa tragende Juden oder Kopftuch tragende Mädchen angespuckt oder beleidigt werden.

    Ich mache mir Sorgen, wenn an dem Tag der Auschwitz Befreiung hochrangige Politiker direkt auf Muslime zeigen und die Worte „Nationalsozialismus“ oder „Deutschland“ nicht einmal erwähnen, obwohl der Holocaust ein deutsches Verbrechen und kein muslimisches war. 

    Ich mache mir Sorgen, wenn Sätze wie die folgenden gesagt werden dürfen:

    • “Bescheidenheit bei der Entsorgung von Personen ist unangebracht” (Jörg Meuthen, AfD)
    • „Homosexuelle ins Gefängnis? Das sollten wir in Deutschland auch machen! (Andreas Gehlmann, AfD)
    • „Ich würde niemanden verurteilen, der ein bewohntes Asylantenheim anzündet.“ (Marcel Grauf, Referent von Dr. Christina Baum, AfD und Heiner Merz, AfD)
    • „Wir sollten eine SA gründen und aufräumen!“ (Andreas Geithe, AfD)
    • „Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet!“ (Markus Frohnmaier, AfD)
    • „Brennende Flüchtlingsheime sind kein Akt der Aggression.“ (Sandro Hersel, AfD)
    • „Das große Problem ist, dass man Hitler als das absolut Böse darstellt.“ (Björn Höcke, AfD)
    • „Das Pack erschießen oder zurück nach Afrika prügeln.“ (Dieter Görnert, AfD)
    • „Immerhin haben wir jetzt so viele Ausländer im Land, dass sich ein Holocaust mal wieder lohnen würde.“ (Marcel Grauf, Referent von Dr. Christine Baum, AfD und Heiner Merz, AfD)
    • „Ich wünsche mir so sehr einen Bürgerkrieg und Millionen Tote. Frauen, Kinder. Mir egal. Es wäre so schön. Ich will auf Leichen pissen und auf Gräbern tanzen. SIEG HEIL!“ (Marcel Grauf, Referent von Dr. Christina Baum, AfD und Heiner Merz, AfD)
    • „Wir müssen ganz friedlich und überlegt vorgehen, uns ggf. anpassen und dem Gegner Honig ums Maul schmieren aber wenn wir endlich soweit sind, dann stellen wir sie alle an die Wand. (…) Grube ausheben, alle rein und Löschkalk oben drauf.“ (Holger Arppe, AfD)

    Ich habe Angst, dass wir vor lauter Ängsten und Sorgen unsere Menschlichkeit vergessen. 

    Ich habe Angst, dass gesellschaftliche Gruppen gegeneinander ausgespielt werden und Hass geschürt wird. 

    Ich habe Angst, dass die AfD, Pegida und Co. weiter in die Mitte der Gesellschaft vorstoßen und das Klima in der offenen Gesellschaft vergiften.

    Und ja, ich habe Angst, dass all meine Sorgen und Ängste Realität werden, wenn man auf die Sorgen und Ängste der „besorgten Bürger“ eingeht, ihnen den Raum überlässt und die Demokraten es sich gemütlich machen. 

    Lasst uns aber nicht von unseren Ängsten leiten und verwalten. Jetzt erst recht werden wir uns noch stärker für die Gesellschaft einsetzen, für ein friedliches Miteinander arbeiten, uns öffnen und zeigen, dass unsere Demokratie wehrhaft bleibt und unsere Ängste nicht von Rechten oder Extremisten instrumentalisiert werden. 

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    Menschenrechte statt rechte Menschen!

    Menschenrechte statt rechte Menschen!

    Hier auf diesem Platz…

    stehen besorgte Menschen, die für unsere Gesellschaft tagtäglich den Arsch hochkriegen. Menschen die sich in der Kommunalpolitik einmischen. Menschen die in gemeinnützigen Vereinen und Verbänden oder den Kirchen aktiv sind. Menschen die in Kindertageseinrichtungen tagtäglich die frühkindliche Bildung unserer Kleinsten übernehmen. Menschen die tagtäglich in unserem Bildungssystem an Herner Schulen, trotz aller Widrigkeiten, immer noch den Anspruch haben unsere Kinder gut auf das Leben vorzubereiten.

    Hier auf diesem Platz…

    stehen besorgte Menschen, die in Betrieben und Verwaltungen in Betriebs- und Personalräten sich aktiv für gute Arbeitsbedingungen einsetzen. Menschen, die sich tagtäglich in den Gewerkschaften dafür einsetzen, dass der Preis der Ware Arbeitskraft angemessen entlohnt wird und dass wir von unserer Hände Arbeit auch vernünftig leben können.

    Hier auf diesem Platz…

    stehen besorgte Menschen, die bei der AWO oder der Caritas, in der Flüchtlingshilfe oder in der arbeits- und erwerbslosen Hilfe, sich täglich dafür einsetzen, dass es in unserer Stadt ein bisschen gerechter, herzlicher und menschlicher zugeht.

    Hier auf diesem Platz…..

    stehen einfach ganz normale einfache Leute.
    Erwerbstätige und Erwerbslose. Rentnerinnen und Rentner. Arbeiterinnen und Arbeiter. Selbstständige Handwerksmeister und Studentinnen und Studenten.

    Und damit ist bereits eine erste Lebenslüge dieser „Wutbürger“ widerlegt.

    Demnach es sich bei den bunten, zivilgesellschaftlichen Protesten gegen Rechts, eh nur um wohlhabende Oberschichten handelt und der „einfache Mann“ hier nicht vertreten ist.

    Hier auf diesem Platz stehen heute wieder viele tolle Menschen, die sich um Herne sorgen und deshalb hier erneut demonstrieren für ein weltoffenes und friedliches Miteinander.

    Wir sind besorgt, weil unsere offene Gesellschaft unter Druck ist: Rechtspopulisten, Rassisten und Nazis versuchen mit Hass und Gewalt auf der Straße und in den Parlamenten Fuß zu fassen.

    Dagegen setzen wir heute erneut miteinander ein starkes Zeichen, für Vielfalt, für Toleranz und für gesellschaftliche Solidarität!

    Heute vor inzwischen sieben Wochen, sind wir das erste Mal hier zusammengekommen. Es gab bei unserer ersten Veranstaltung keine Reden oder sonstige Beiträge. Wir wollten uns ein Bild machen, von denen, die da durch unsere Stadt marschieren. Unsere Vermutung, dass unter dem Tarnmantel eines „Spaziergangs besorgter Bürger„, in Herne rechtsextreme Strukturen etabliert werden sollen, hat sich -leider- bewahrheitet.

    Seitdem steht, völlig zu Recht, das demokratische, zivilgesellschaftliche Spektrum unserer Stadt in Alarmbereitschaft.

    Und auch die kürzliche Stellungnahme eines, namentlich nicht genannten, Organisators dieser Rechten Aufmärsche, führt nicht dazu das wir unsere Alarmbereitschaft herunterfahren.

    Dieser Organisator wird in der Presse zitiert mit den Sätzen „Die Teilnahme von SS-Siggi hat uns verwundert“. Vielmehr „distanzieren sie sich von der rechtsextremen Szene“.

    Diese Distanzierung ist nicht glaubwürdig und wir nehmen sie denen nicht ab!

    Das was wir in den letzten fünf Wochen hier zu sehen und zu hören bekommen haben, lässt keinen anderen Schluss zu: Bei diesen angeblichen Spaziergängen marschieren keine besorgten Herner Bürger, sondern Nazis und Faschisten.

    Schaut euch nur mal die Pressefotos der rechten Aufmärsche an. SS-Siggi und der Typ mit Hitlergruß wurden ja schön öfter in der Presse erwähnt. Auf den Bildern sehen wir aber viele weitere modische Highlights wie:

    • T-Shirt mit Maschinengewehr und der Überschrift „Hausbesuche“
    • T-Shirt mit Aufdruck „Oldschool Criminal“ (Krimineller der alten Schule)
    • T-Shirt mit Aufdruck „Kategorie C“ (Gewaltbereite Hooligan-Nazi Band)
    • T-Shirt „Stellt sie alle an die Wand und Feuer!“ (Selbstredend/Nazi Band)
    • Kettenanhänger „Thorshammer“ – als Antichristliches und Völkisches Symbol
    • T-Shirt „HKNKRZ“ (Das Wort Hakenkreuz ist nicht verboten/nur das Symbol)

    Gravierend und aussagekräftig ist auch das Video vom 03.09.2019, vom Abschlussfoto der Nazis am Herner Bahnhof. Dort skandieren Teilnehmer laut „White Power“ und zwar ohne Widerspruch!
    „Weiße Macht“ Schlachruf des Ku-Klux-Klans und ein Schlüsselbegriff der Neonaziszene.

    Zusätzlich zu dieser skurrilen und offen zur Schau gestellten menschenverächtlichen Weltanschauung, rief zuletzt eine sogenannte „Bruderschaft Herne“ gemeinsam mit anderen Nazis, wie z.B. „PEGIDA NRW“ und „Wir für Deutschland“ am 08.09.2019 zu einer landesweiten Demonstration in Mönchengladbach auf.

    Und auch bei der bundesweiten Nazidemo am 03.10.2019 in Berlin marschierten diese besorgten Herner mit. Dort marschierten sie gemeinsam mit Vertretern der gesamtdeutschen Rechtsextremen Szene, von Reichsbürgern über die Neonazipartei „Der III. Weg“ bis hin zur NPD.

    Sieht so eine Distanzierung vom Rechtsextremismus aus?

    Wohl kaum!

    Und deswegen ist es gut und richtig, dass wir diesen Leuten nicht unwidersprochen die Straßen in Herne überlassen und auf die einhergehenden Gefahren hinweisen.

    Dieser Rechtsextremismus und der damit einhergehende Rechtspopulismus gefährden den sozialen Zusammenhalt in unserer Stadt.

    Ausgrenzung von Minderheiten und Andersdenkenden oder Hassreden ermutigen Extremisten zu staats- und fremdenfeindlichen Straftaten. Sie sind eine ernsthafte Bedrohung für unser demokratisches und soziales Gemeinwesen.

    Wir treten ein für einen Rechtsstaat, in dem für alle die gleichen demokratischen Spielregeln gelten.
    Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Flüchtlinge handelt, die gerade erst bei uns angekommen sind, Menschen, die schon länger in Deutschland leben oder hier geboren sind.

    Und um das Klarzustellen, damit wollen wir keine bestehenden Probleme unter den Tisch fallen lassen und erst recht nicht etwaige Verbrechen totschweigen oder verharmlosen!

    Mit bestem Gewissen behaupte ich, es gibt in Herne niemanden, der zum Beispiel die soziale Schieflage
    in unserer Gesellschaft vehementer kritisiert, wie die Herner Gewerkschaften!

    Oder nehmen wir das Beispiel „Innere Sicherheit“. Ich bin fest davon überzeugt, dass es zum Beispiel in den Herner Bezirksvertretungen zahlreiche Kommunalpolitiker/innen gibt die sich in ihrem Bezirk bestens auskennen. Ich bin sicher, etwaige problematische Ecken oder Entwicklungen sind denen bestens bekannt. Und sie versuchen ihr bestes da gegenzusteuern!

    Aber wer etwas mitzuteilen hat, darf keinen Schweigemarsch
    abhalten! Der soll sich zu Wort melden und sich einbringen! In Herne gibt es eben keine Schweigespirale, wie zuletzt ein FDP Politiker behauptete! Hier wird Tacheles geredet!

    Es ist leicht, auf Facebook über die „die da oben“ zu schimpfen und dann die Likes zu zählen.

    Es ist aber schwerer, sich mit Fragen zu befassen, die mit Ja oder Nein kaum zu beantworten sind. Es ist schwerer, nicht immer nur sein Recht zu sehen, sondern auch seine Verantwortung.

    Ich glaube, die da marschieren, die wollen nicht diskutieren und ihre Sorgen als besorgte Bürger kundtun. Der Dialog ist ein Instrument der Demokratie, an dem der Faschismus nicht interessiert ist! Denen geht es darum die Straßen und Plätze mit ihrem braunen Gedankengut einzunehmen. Aber das werden wir weiterhin, nicht stillschweigend zulassen!

    Unser Gegenentwurf lautet: Mitmachen! Mitreden! Miteinander!

    Und auch wenn sie sich, hier in Herne aktuell nicht aktiv, bzw. offensichtlich beteiligen oder mitmarschieren, müssen wir bei dieser ganzen Entwicklung auch die Rolle der AfD
    ansprechen.

    Der Rechtsextremismus hat mit der AfD wieder eine massenwirksame, organisatorische Form bekommen.

    Das ist ein ernstes Problem, zu dem wir uns aktiv und offensiv verhalten müssen. Und die AfD grenzt sich nicht von Rechtsextremen ab – im Gegenteil.

    Wer unseren breiten gesellschaftlichen Protest hier, abtut als „Islam-Propaganda“, wie die Herner AfD in einem Facebook-Posting, dem spreche ich die charakterliche Eignung für ein demokratisches Parlament, wie den Stadtrat, ab.

    Die Herner AFD unterstellt uns, in einem anderen Facebook-Posting, mit unseren Aktionen eine „demokratische Kundgebung“ zu bekämpfen.

    Und das ist übrigens eine weitere Lebenslüge dieser Wutbürger.
    Wie oft habe ich schon die Sätze „und wenn man was sagt, ist man gleich ein Nazi“ oder „das wird man jawohl noch sagen dürfen“ gehört oder gelesen.

    Wie dumm und widersprüchlich diese Aussage ist, merken viele gar nicht mehr.
    In unserer Stadt darf jeder seinen geistigen Dünnpfiff loswerden und selbst offenkundige Nazis (ob aus Dortmund, Essen oder Herne) dürfen hier durch unsere Stadt marschieren. Sie werden rechtsstaatlich geschützt durch die Rede- und Versammlungsfreiheit.

    Nur diese Rede- und Versammlungsfreiheit besagt halt nicht, dass sich auch jeder unwidersprochen diesen Stumpfsinn anhören oder anschauen muss.

    Sie müssen hinnehmen, dass eine Mehrheit in Herne solche Aussagen nicht unwidersprochen lässt und solche Aufmärsche nicht stillschweigend erduldet. Und das ist auch gut so!

    Herne ist eine krisenerprobte Stadt. Herne ist aber insbesondere eine Stadt der Solidarität und des Zusammenhalts. Eine tolle Stadt mit vielen liebenswerten und aktiven Menschen.

    Einige davon stehen heute vor mir!
    Wir wollen eine offene, tolerante, faire, gerechte, solidarische und demokratische Gesellschaft. Eine Gesellschaft, in der Ausgrenzung, Hass und Gewalt keinen Platz haben.

    Dafür lohnt es sich zu streiten. Herne bleibt solidarisch!

    Wir wollen Menschenrechte statt rechte Menschen!

    Und mit einer Sache in der aktuellen Ausgabe des „Spiegel“, haben die Redakteure doch Recht! Mit einem klassischen Glückauf kann und sollte man in Herne gerne eine Rede beenden!

    In diesem Sinne…. Glückauf!

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