Kategorie: Kundgebungen

  • SharePic BH Zeit zum Handeln! Rückblick

    „Sachsen-Anhalt geht uns alle an“: Mehr als 400 Menschen bei unserer Kundgebung

    Mehr als 400 Menschen sind am Donnerstagabend, 10. September, unserem Aufruf zur Kundgebung „Sachsen-Anhalt geht uns alle an“ auf den Robert-Brauner-Platz gefolgt. Wir freuen uns über diesen großen Zuspruch aus der Herner Zivilgesellschaft und über die vielen wertschätzenden Rückmeldungen, die wir während und nach der Kundgebung erhalten haben.

    Bereits um 17 Uhr hatten sich rund 150 Menschen an der Kreuzkirche zu einem interkonfessionellen Gebet für Frieden und Toleranz versammelt. Vertreter:innen der evangelischen und katholischen Kirche sowie der islamischen Gemeinde Röhlinghausen traten dort in Worten und Gebeten für Vielfalt, Toleranz und Mitmenschlichkeit ein. Anschließend machten sich die Teilnehmer:innen gemeinsam durch die Herner Innenstadt auf den Weg zum Robert-Brauner-Platz.

    Fünf Redebeiträge auf dem Robert-Brauner-Platz

    Um 17:45 Uhr begrüßte Melanie Jansen für das Bündnis Herne die Teilnehmer:innen und eröffnete die Kundgebung. Den ersten Redebeitrag hielt Jörg Höhfeld, der „Schorsch aus Baukau“. Mit Blick auf das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt erinnerte er daran, diejenigen zu unterstützen, die dort nicht die AfD gewählt haben. Sein Appell in Anspielung auf einen Hit der Band Herne 3: „Immer wieder aufstehen! Immer wieder sagen: Es geht doch!“

    Pooya Shojaee vom Kulturell-Alternativen Zentrum Herne e.V. richtete anschließend den Blick besonders auf junge Menschen und Kürzungen im Jugendbereich. Seine Forderung: „Gebt der Jugend Raum zurück, dann hat der Hass keine Chance.“

    Nach einer musikalischen Unterbrechung sprach Kerstin Brosius für die Eltern gegen Rechts – Herne. Sie forderte, die rechtsstaatlichen Möglichkeiten für ein Verbotsverfahren gegen die AfD zu nutzen, und wandte sich dabei auch direkt an NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst: „Herr Wüst, machen Sie keine Arbeitsgruppe, stellen Sie einfach einen Antrag!“

    Melanie Jansen sprach anschließend für die Glaubensgemeinschaften. Sie betonte, dass Ordnung und Menschlichkeit keine Gegensätze seien, und warb dafür, auch bei unterschiedlichen Positionen miteinander im Gespräch zu bleiben: „Wir müssen wieder lernen, zu diskutieren, ohne einander die Würde abzusprechen.“

    Den letzten Redebeitrag hielt Cordula Vordenbäumen für das Bündnis Herne. Sie knüpfte an unser Statement zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt an. Die wichtigste Ressource für unser Engagement seien Menschen, die mitmachen und sich beispielsweise Gesprächen mit unentschlossenen Wähler:innen stellen oder Ideen für Aktionen, Flyer und Plakate einbringen. Ihr Appell: „Macht mit, bevor es zu spät ist. Demokratie ist nämlich ein Mitmachverein. Die Zeit, zu handeln, ist jetzt.“

    Mit bunten Bändern miteinander verbunden

    Zum Abschluss wurde es auf dem Robert-Brauner-Platz noch einmal ganz praktisch: Wir verteilten farbige, jeweils 25 Meter lange Kreppbänder an die Teilnehmer:innen. Die Bänder wurden durch die Menge weitergereicht, bis die Menschen auf dem Platz miteinander verbunden waren.

    Dabei kamen viele Teilnehmer:innen direkt miteinander ins Gespräch – genau das war das Ziel der Aktion.

    Während der Kundgebung verteilten wir außerdem Postkarten zum Herner Versprechen.

    Unter den Teilnehmer:innen waren neben den Jusos auch die Omas gegen Rechts – Bochum & West sowie das Bündnis Recklinghausen Es REicht.

    Gegen 18:45 Uhr beendete Melanie Jansen die Kundgebung.

    Wir bedanken uns bei allen, die gekommen sind, bei den Redner:innen, den Glaubensgemeinschaften, den Eltern gegen Rechts – Herne und allen, die an der Vorbereitung und Durchführung beteiligt waren.

    Vor allem freuen wir uns darüber, dass so viele Menschen an diesem Abend gemeinsam auf dem Robert-Brauner-Platz waren und miteinander ins Gespräch gekommen sind.

    Die Reden

    Jörg Höhfeld („Der Schorsch aus Baukau“)

    Tach, ich bin der Schorsch aus Baukau und das Wahlergebnis aus Sachsen-Anhalt hat mich fast umgehauen, aber mein Stock hat mich dann doch davor bewahrt. Wir alle dürfen nämlich jetzt nicht in eine Schockstarre verfallen, wir demokratischen AntifaschistInnen müssen weiter für ein offenes, buntes, diverses Deutschland kämpfen.

    Und so grüssen wir die Menschen in Sachsen-Anhalt, die nicht AfD gewählt haben, denn „wer im Stich lässt seinesgleichen lässt ja nur sich selbst im Stich“. (B.Brecht).

    „Weil wir dieses Land verbessern, lieben und beschirmen wirs“ hat Bert Brecht einst geschrieben. Und wir werden es verteidigen. Lass sie mal kommen auf ihren Simson Schwalben. Dann holen wir unsere Zündapp aus der Garage und schwingen uns auf die Kreidler Florett. Und weil wir keine völkischen Nationalisten sind, machen auch die Honda und Suzuki Fahrerrinnen mit und auch die Moto Guzzis sind dabei. Und ganz vorne fährt die Harley Davidson Gruppe und auf unseren Plakaten steht die Losung unserer Freunde aus Spanien und Lateinamerika: No pasaran – sie werden nicht durchkommen.

    Deshalb gilt unsere Solidarität den Frauen und Männern, die weiter Tag für Tag für Demokratie und Offenheit in Sachsen-Anhalt kämpfen und wir grüssen sie aus Herne mit dem alten Hit von „Herne 3“: Immer wieder aufstehen, immer wieder sagen es geht doch!

    Bis die Tage

    Pooya Shojaee (Kulturell-Alternativen Zentrum Herne e.V.)

    Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Freundinnen und Freunde der Subkultur,
    ​wenn wir über das Erstarken der AfD im Osten und im nördlichen Ruhrgebiet sprechen, müssen wir über Räume reden. Räume, die wir jungen Menschen genommen haben – und Räume, die sich jetzt andere greifen.

    ​Aus Sicht einer kultur-alternativen Szene ist der Erfolg der Rechten in diesen strukturschwachen Regionen kein Zufall, sondern das direkte Ergebnis einer jahrelangen, verheerenden Sparkultur und politischer Gleichgültigkeit.

    ​Warum verfangen rechte Parolen genau hier?

    ​Erstens: Der Rückzug des Staates und der Verlust Freier Räume.

    In den letzten Dekaden wurden im Osten wie im Revier unter dem Deckmantel der Konsolidierung Schwimmbäder geschlossen, Jugendzentren abgewickelt und Budgets für soziokulturelle Zentren zusammengestrichen. Wo einst Orte der Begegnung, des Ausprobierens und der Diversität waren, herrscht oft gähnende Leere. Jugendarbeit wurde von einer Pflichtaufgabe zu einer freiwilligen Leistung degradiert, an der bei klammen Kommunalkassen zuerst gespart wird. Die Botschaft an die Jugend in Herne, Gelsenkirchen oder in der ostdeutschen Provinz war klar: Ihr seid uns keinen Cent wert. Eure Kultur zählt nicht.

    ​Zweitens: Das Vakuum wird gefüllt.

    Wo die demokratische Zivilgesellschaft und subkulturelle Netzwerke weggespart werden, entsteht ein Vakuum. Und rechte Strukturen haben das extrem klug und eiskalt ausgenutzt. Im Osten haben Freie Kameradschaften, rechte Sportclubs und rechtsextreme Netzwerke Räume besetzt – sie bieten Jugendräume, Grillabende, Sportangebote und ein Pseudo-Gefühl von Gemeinschaft. Im Ruhrgebiet begegnen wir einer kollektiven Perspektivlosigkeit, in der rechte Vereinfacher eine vermeintliche Heimat versprechen. Wenn es keinen selbst verwalteten Jugendclub, keinen Skatepark und kein autonomes Zentrum mehr gibt, wird die rechte Dorfkneipe oder die rechte Jugendgruppe zur einzigen Anlaufstelle.

    Drittens: Der Angriff auf das Verschiedensein.

    Subkultur bedeutet Vielfalt, Reibung, Kritik und das Recht, anders zu sein. Das passt nicht ins völkische, autoritäre Weltbild der AfD. Sie nutzt die Wut der abgehängten Regionen und lenkt sie gezielt auf Minderheiten und freie Kulturprojekte um. Wenn Gelder für Zivilgesellschaft gekürzt werden, trifft das zuerst genau die Orte, an denen junge Menschen lernen, eigenständig und kritisch zu denken.

    ​Sind junge Menschen und Jugendsozialarbeit also vernachlässigt worden?

    Ja, absolut. Es war ein episches Systemversagen. Man hat geglaubt, man könne einer ganzen Generation die soziale Infrastruktur wegsparen, ohne dass es politische Konsequenzen hat.

    ​Aber unsere Antwort darauf darf nicht Ressentiment sein. Unsere Antwort muss Rückeroberung heißen!

    ​Wir brauchen keine Repression, sondern Infrastruktur. Wir brauchen Räume, in denen laut Musik gemacht werden kann, in denen gesprayt, diskutiert, gepunkt und gelebt werden kann – ohne Konsumzwang und ohne Bevormundung. Jugendsozialarbeit ist kein Luxusgut, sondern das Fundament einer lebendigen Demokratie.

    ​Wer die AfD stoppen will, darf das Geld nicht in Symbolpolitik stecken, sondern muss es in selbst verwaltete Jugendzentren, Soziokultur und Sozialarbeit vor Ort investieren! Gebt der Jugend ihren Raum zurück – dann hat der Hass keine Chance mehr!

    ​Vielen Dank.

    Kerstin Brosius (Eltern gegen Rechts – Herne)

    Ich weiß nicht wie es euch geht, aber mich haben die Ergebnisse am Sonntagabend schockiert. Bis zuletzt habe ich gehofft, dass die Prognosen sich nicht bewahrheiten werden und dann kam es sogar noch heftiger. 43,8%! Alter! Der weitere Wahlabend verlief wie ein Fiebertraum. Wird da etwa einer gesichert rechtsextremen Partei zum Sieg einer demokratischen Wahl gratuliert?! Verfassungsfeinden wird gratuliert?!

    Verfassungsfeinde gehören verboten.

    Wirklich, ihr Lieben, ich kann nicht mehr. Seit Januar fahre ich regelmäßig nach Düsseldorf um die Politik aufzufordern alle Parteien, die vom Verfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall oder gesichert rechtsextrem eingestuft werden, durch das Bundesverfassungsgericht zu überprüfen. Seit Januar! Welchen Monat haben wir jetzt?!

    Deshalb lasse ich auch das Argument nicht gelten, ach jetzt wo sie eine Wahl gewonnen haben, wollt ihr sie verbieten. Nein, wir wollen das schon viel länger.

    Mit unserem Grundgesetz sind genau dafür Mittel und Wege geschaffen worden. Es ist etwas kompliziert, aber an alles gedacht. Das Bundesverfassungsgericht entscheidet über die Verfassungswidrigkeit einer Partei. Das Verfahren zur Prüfung kann durch den Bundestag, Bundesrat oder durch die Bundesregierung beantragt werden. Und wenn das Bundesverfassungsgericht zu dem Urteil kommt, dass eine Partei darauf ausgerichtet ist die freiheitlich demokratische Grundordnung zu gefährden, also verfassungswidrig ist, wird nicht nur die Partei an sich aufgelöst, sondern auch Ersatzorganisationen verboten.

    Das hat sogar schon funktioniert! 1952 wurde die SRP, die sozialistische Reichspartei verboten. Sie verstand sich als Nachfolgepartei der Nazis, vertrat offen nationalsozialistische Positionen und lehnte die parlamentarische Demokratie ab.

    Damals hat die Bundesregierung den Antrag beim Bundesverfassungsgericht gestellt. Was die AfD betrifft sind wir im Bundesrat auf einem guten Weg und einige Bundesländer positionieren sich sogar offen für eine Prüfung.

    Bei uns in NRW ist man da sehr zögerlich. Herr Wüst, machen Sie keine Arbeitsgruppen, stellen Sie einfach einen Antrag!

    Was wollen Sie da noch in einer Arbeitsgruppe erarbeiten? Wir kennen alle das Gutachten der Gesellschaft für Freiheitsrechte. Wie wir wissen, kommt es zu dem Schluss, dass ein Verbotsverfahren sehr wahrscheinlich erfolgreich ist. Ich weiß, es wird viel im Konjunktiv geschrieben, aber wir haben nur diese eine Chance. Für mein Engagement gegen Rechts bin ich bereits angefeindet worden. Auch wenn ich mich nicht einschüchtern lasse, macht es mir dennoch Angst. Hass ist nicht mehr irgendetwas in den Nachrichten, es trifft nicht nur mich im echten Leben. Als Mutter habe ich ehrlicherweise auch Angst um meine Kinder.

    Wenn die AfD politische Macht bekommt, sind wir alle politischer Gegner und da wir das Gutachten der Gesellschaft für Freiheitsrechte kennen, wissen wir auch, was die AfD mit ihren politischen Gegnern vorhat. Die Möglichkeiten unseres Rechtsstaates müssen genutzt werden!

    Ich vergleiche die AfD gerne mit einem ungebetenen Gast auf einer Party. Dieser Gast pöbelt nur rum, demoliert das Wohnzimmer und hinterlässt schlammig braune Fußabdrücke. Würdet ihr in so einer Situation erstmal fragen, wer hat diesen Gast eingeladen? Was findest du denn an diesem Gast so toll, dass du diesen mit zu meiner Party gebracht hast? Oder würdet ihr erstmal dafür sorgen, dass der Gast wieder verschwindet, bevor euer Wohnzimmer komplett dreckig und zerstört ist?

    Und wir alle haben die Möglichkeit dafür zu sorgen, dass dieser ungebetene Gast rausgeworfen wird. Samstag ist um 14 Uhr in Düsseldorf die nächste Prüf-Demo. Das Land braucht eine starke Zivilgesellschaft. Und das ist nicht irgendwer aus den Medien, das sind du und ich. Jeder und jede von uns macht einen Unterschied, inspiriert andere und kann Eindruck machen auf diejenigen die einen Prüfantrag beim Bundesverfassungsgericht stellen können! Also auf nach Düsseldorf mit uns!

    Melanie Jansen (für die ev. und kath. Kirche und die Islamische Gemeinde)

    Wir sind heute hier, weil uns etwas verbindet: die Sorge um unser Land – und die Hoffnung auf eine Gesellschaft, in der Menschen verschieden sein dürfen und trotzdem zusammengehören.

    Ich spreche heute hier als Christin.

    Denn Christsein bedeutet für mich nicht, bei politischen Fragen die Augen zu verschließen. Im Gegenteil: Unser Glaube verpflichtet uns, hinzusehen, wenn Menschen ausgegrenzt werden, wenn Angst geschürt wird und wenn die Würde von Menschen davon abhängig gemacht wird, woher sie kommen.

    Jesus sagt: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“

    Er sagt nicht: Deinen deutschen Nächsten.
    Er sagt nicht: Deinen christlichen Nächsten.
    Er sagt nicht: Deinen Nächsten, der dir kulturell ähnlich ist.

    Er sagt: deinen Nächsten.

    Und genau daran müssen sich auch politische Programme messen lassen.

    Die AfD spricht häufig von christlicher Kultur, von Tradition und von der Bewahrung des Abendlandes. Aber christliche Werte sind mehr als Tradition und nationale Identität.

    Christlicher Glaube beginnt nicht mit der Frage: „Wer gehört zu uns?“

    Er beginnt mit der Aussage: Jeder Mensch ist Geschöpf Gottes.

    Jeder Mensch besitzt Würde – unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Sprache, sozialem Status oder politischer Einstellung.

    Deshalb widerspreche ich einer Politik, die Menschen vor allem als Problem betrachtet: als Migranten, als Flüchtlinge, als Fremde oder als Belastung.

    Natürlich braucht ein Staat Regeln.
    Natürlich müssen Grenzen kontrolliert werden.
    Natürlich muss Kriminalität konsequent verfolgt werden.
    Natürlich müssen Integration und Migration politisch gestaltet werden.

    Aber Ordnung und Menschlichkeit sind keine Gegensätze.

    Wir dürfen Probleme benennen, ohne Menschen abzuwerten.

    Wir dürfen über Migration diskutieren, ohne gegen Migrantinnen und Migranten Stimmung zu machen.

    Und wir dürfen für unser Land eintreten, ohne anderen Menschen ihre Zugehörigkeit abzusprechen.

    Und genauso gilt: Wer Sorgen über Migration hat, ist deshalb noch lange kein Rassist.

    Wir müssen wieder lernen, miteinander zu diskutieren, ohne einander die Würde abzusprechen.

    Aber wir müssen auch klar widersprechen, wenn politische Sprache Menschen gegeneinander aufbringt.

    Christlicher Glaube ist keine Religion der Angst.

    Er ist eine Religion der Hoffnung.

    Und deshalb sage ich als Christin:

    Ich möchte keine Politik, die Menschen gegeneinander ausspielt.

    Ich möchte keine Politik, die Angst vor dem Fremden zur Identität macht.

    Ich möchte keine Politik, die christliche Begriffe benutzt, aber den Kern des Evangeliums vergisst.

    Ich möchte eine Gesellschaft, in der Menschen zusammenstehen können, wie sie sind, wie wir heute hier. In der Menschen verschieden sein dürfen und trotzdem zusammengehören.

    Cordula Vordenbäumen (Bündnis Herne)

    Beim CSD vor zwei Monaten hat jemand zu uns gesagt: „Ach, Sachsen-Anhalt. Wir sind hier ja nicht in Sachsen-Anhalt. Das betrifft uns hier ja gar nicht.“ Das war neulich schon falsch.

    Und jetzt sehen wir, wie grässlich sich dieser Mensch geirrt hat.

    Deshalb: Sachsen-Anhalt geht uns alle an! Die Entwicklung dort hat nämlich nicht nur Auswirkungen auf die ganze Republik, sie ist auch in anderen Bundesländern möglich.

    Wir werden aber nicht erschrocken und tatenlos abwarten, wie die Landtagswahl in NRW nächstes Jahr im April wohl ausgehen wird.

    Das Bündnis Herne und andere Initiativen und Vereine setzen sich zum Teil seit Jahren für die Demokratie, Menschenwürde und gesellschaftlichen Zusammenhalt ein – und gegen Rechtsextremismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit.

    Allen, die uns für unser ehrenamtliches Engagement auf die Schultern klopfen, sagen wir „vielen Dank für eure Wertschätzung“. Das bestärkt uns, nicht aufzugeben!

    Auch eure finanzielle Unterstützung ist enorm wichtig: um Materialien zu beschaffen, Workshops und Veranstaltungen durchzuführen und so weiter.

    Anders als in den Kommentarspalten der antisozialen Medien penetrant behauptet wird, werden wir nämlich nicht „vom Staat“ bezahlt, sondern finanzieren uns weitestgehend aus Mitgliedsbeiträgen und gelegentlichen Spenden.

    Aber reicht das aus? Nein, längst nicht mehr! Mit euren solidarischen Posts und Sharepics erreicht ihr vor allem eure eigene Bubble. Menschen, die überlegen, die noAfD zu wählen, erreicht ihr damit eher nicht. Das geht nur im Gespräch – also im echten Gespräch, nicht in einem Wortgefecht in anonymen Kommentarspalten in den antisozialen Medien.

    Und es reicht auch längst nicht mehr, nur dann da zu sein, wenn Nazis durch unsere Straßen laufen und es eine Gegendemo mit viel Geschrei gibt.

    Etwa eine Woche vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt waren 31 Prozent der Wahlberechtigten noch unentschlossen, was sie wählen würden. 31 Prozent!

    Wir müssen also raus auf die Straßen und Plätze dieser Stadt, um unentschlossene Wahlberechtigte vom Wert der Demokratie zu überzeugen und sie davon abzubringen, aus purer Unzufriedenheit die noAfD zu wählen.

    Und damit dürfen wir nicht erst vier Wochen vor der Landtagswahl anfangen.

    Überzeugte noAfD-Wähler:innen werden wir wohl nicht so leicht ins „Team Demokratie“ zurückholen können.

    Hier sind die demokratischen Parteien in der Pflicht, sich etwas mehr Mühe zu geben.

    Wir, also die Vereine und Initiativen, sollten uns verstärkt auf diejenigen konzentrieren, die noch nicht final zu „Team Blau-Braun“ abgedriftet sind. Bei den Unentschlossenen, die ihre Entscheidung noch nicht getroffen haben, können wir mit echten Gesprächen noch etwas erreichen!

    Den Kampf um die Demokratie können aber nicht ein paar wenige stemmen, bestärkt durch Schulterklopfen und „Daumen hoch“-Emojis.

    Wir tun das alle ehrenamtlich – und die meisten von uns machen das neben ihren beruflichen und familiären Verpflichtungen. Oft genug kommt das Privatleben dabei zu kurz.

    Unsere wichtigste Ressource ist daher nicht eure Anerkennung oder euer Geld.

    Unsere wichtigste Ressource sind Menschen, die mitmachen, die sich den Gesprächen an den Infoständen stellen, die Ideen einbringen für Aktionen, Flyer, Plakate … Es gibt vielfältige Möglichkeiten, auch im Hintergrund gibt es immer reichlich zu tun. Dabei können wir jede Unterstützung gebrauchen!

    Deshalb rufen wir euch auf:

    Sofern ihr das nicht schon tut: Engagiert euch in Initiativen und Vereinen, die sich für eine vielfältige, solidarische Gesellschaft einsetzen! Davon gibt es eine ganze Reihe, mit sehr unterschiedlicher Ausrichtung. Da ist doch bestimmt für jede und jeden was dabei!

    Kommt zum Beispiel

    • zum Bündnis Herne
    • zu den Eltern gegen Rechts
    • zu den Schirmen gegen Rechts
    • zu den Omas gegen Rechts
    • zum Herner Antifa Treff,
    • zum Kulturell-Alternativen Zentrum oder
    • zum Queer in Herne e. V.

    Und ich habe in meiner Aufzählung jetzt bestimmt noch irgendwen vergessen. Schaut euch einfach mal um!

    Oder ihr engagiert euch bei den Trägern der Freien Wohlfahrt, bei den Glaubensgemeinschaften, bei der Freiwilligen Feuerwehr, im Sport- oder Kaninchenzüchterverein – oder sogar bei einer der demokratischen Parteien!

    Eigentlich ist es fast egal, wo ihr mitmacht, Hauptsache, ihr kommt dabei mit echten Menschen ins Gespräch, vielleicht auch mit solchen, die nicht direkt zu eurer eigenen Bubble gehören!

    Macht mit, bevor es zu spät ist!

    Demokratie ist nämlich ein Mitmach-Verein!

    Die Zeit zum Handeln ist JETZT!

  • SharePic Kundgebung "Sachsen-Anhalt geht uns alle an."

    „Sachsen-Anhalt geht uns alle an“: Kundgebung am 10. September in Herne

    Unter dem Titel „Sachsen-Anhalt geht uns alle an. Zeit zum Handeln“ lädt das Bündnis Herne am Donnerstag, 10. September 2026, um 17:45 Uhr zu einer Kundgebung auf den Robert-Brauner-Platz ein. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit Eltern gegen Rechts – Herne und den Glaubensgemeinschaften in Herne statt.

    Geplant sind verschiedene Redebeiträge sowie eine gemeinsame Aktion. Bereits ab 17:00 Uhr veranstalten die Glaubensgemeinschaften ein ökumenisches Event an der Kreuzkirche. Im Anschluss machen sich die Teilnehmer:innen durch die Herner Innenstadt auf den Weg zum Robert-Brauner-Platz.

    Es braucht Menschen, die aktiv werden.

    Wir wollen trotz des Entsetzens über das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt zeigen, dass wir nicht in Schockstarre verharren. Wir werden uns weiter aktiv gegen diese Entwicklung stellen und wollen dazu motivieren, uns dabei zu unterstützen.

    Mehr zu unserem Statement nach der Landtagswahl findest Du in unserem Beitrag „Sachsen-Anhalt geht uns alle an! Zeit zum Handeln!“.

    Kundgebung „Sachsen-Anhalt geht uns alle an“

    🗓️ Donnerstag, 10. September 2026, Beginn: 17:45 Uhr
    📍Robert-Brauner-Platz, 44623 Herne

  • SharePic Mahnwache CSD Berlin Redebeitrag

    Unser Redebeitrag auf der Mahnwache

    Vor knapp drei Wochen hat auch das Bündnis Herne am CSD teilgenommen. Wir hatten einen Infostand auf dem Europaplatz. Eine Freundin ist mit unserer Fahne in der Parade mitgelaufen. Es war ein fröhlicher Tag – und es war uns ein Fest, Teil davon zu sein.

    Heute stehe ich hier mit gemischten Gefühlen, wie ihr alle wahrscheinlich.

    Aber ich bin auch dankbar, Teil dieser Mahnwache zu sein.

    Der Attentäter von Berlin hat eine Frau ermordet und viele Menschen verletzt.
    Ihnen und ihren Angehörigen gilt heute unser Gedenken.

    Sein Anschlag auf den CSD war in erster Linie gegen die queere Community gerichtet.

    Gleichzeitig zielte der Attentäter auf uns alle, die wir für ein Zusammenleben in Vielfalt eintreten und für das Recht, sich zu zeigen und sichtbar zu sein.

    Quer durch alle Religionen und Ideologien gibt es Menschen, die Vielfalt ablehnen, weil sie sich Eindeutigkeit wünschen.

    Das habe ich gestern gelesen.

    Der Satz klingt für mich einleuchtend. Er lässt mich aber doch etwas ratlos mit der Frage zurück, wie wir unsere Vielfalt gegen diese Menschen verteidigen sollen.

    Schließlich heißt Vielfalt ja auch für diese Menschen, sichtbar sein zu dürfen.

    Aber eins weiß ich sicher:

    Es reicht längst nicht mehr aus, solidarische und empörte Sharepics zu teilen.

    Es ist heute wichtiger denn je, Gesicht zu zeigen:
    Bei Kundgebungen, in Gesprächen am Infostand und vor allem im Alltag.

    Wir sind viele.

    Wir können den Kampf für eine vielfältige Gesellschaft aber nur gewinnen, wenn wir zusammenhalten.

    Unsere Feinde in diesem Kampf sind Empathielosigkeit, Resignation und Gleichgültigkeit.

    Unsere „Waffen“ für diesen Kampf sind Empathie, Ausdauer und vor allem SOLIDARITÄT!

    Cordula Vordenbäumen

  • SharePic CSD HERNE 2026 Rückblick

    Rückblick CSD Herne 2026

    Das Bündnis Herne beim CSD am 11.07.2026

    Wie in den vergangenen Jahren war das Bündnis Herne auch diesmal wieder mit einem Infostand vertreten. Für uns ist es selbstverständlich, durch unsere aktive Beteiligung am CSD Herne die Sichtbarkeit queeren Lebens in unserer Stadt zu unterstützen und Haltung zu zeigen.

    Besonders gefreut hat uns die Verstärkung durch Hubert und Heike von „Demokratie-Werkstadt-RE e.V.“ aus Recklinghausen.

    An unserem Stand war viel los. Besonderen Anklang fanden unsere Trillerpfeifen in Regenbogenfarben, Seifenblasen und die große Auswahl an Stickern. Als besondere Attraktion hatten wir diesmal die „Mauer der Vielfalt“ mitgebracht: Alle Teilnehmenden konnten mit einer Farbe ihrer Wahl jeweils einen Stein der Mauer besprühen. Damit wollen wir zeigen: Auf unserer Seite der Brandmauer ist die Welt vielfältig und bunt!

    Auch an unserer Arbeit herrschte reges Interesse, vor allem am „Herner Versprechen“. In einigen Fällen konnten wir direkt die Erfahrungen aus unserem Workshop am 05.07.2026 anwenden („Populistischer Sprache radikal höflich entgegentreten“). Nur ein Besucher musste höflich aufgefordert werden, sich von unserem Stand zu entfernen.

    Trotz der Hitze war es wieder einmal ein toller Tag! Vielen Dank an das CSD-Team für die Organisation!

    Auch bei dieser Veranstaltung wurde wieder deutlich, dass Demokratie ein Mitmach-Projekt ist. Demokratie lebt davon, dass Menschen miteinander sprechen, sich austauschen, etwas organisieren – im Kleinen wie im Großen.

    Ihr denkt darüber nach, euch beim Bündnis Herne für Demokratieförderung zu engagieren? In unserem Veranstaltungskalender findet ihr alle anstehenden Termine. Kommt einfach dazu, lernt Aktive kennen und schaut, in welcher Form ihr euch bei uns einbringen könnt.

    Im Verein „queer in Herne e. V.“ kann man übrigens auch mitmachen.

    Die Mauer wird von Jung und Alt gestaltet.
    Die Mauer wird von Jung und Alt gestaltet.
  • Junges Herner Versprechen!

    Junges Herner Versprechen!

    Sonntag, 30.11.2025, 14 Uhr, Rathausplatz Herne

    Die Jugendorganisationen der Grünen (Grüne Jugend), der SPD (Jusos), der CDU (Junge Union), der Linken (Linksjugend) und der FDP (JuLis) planen anlässlich der Neugründung einer AfD-Jugendorganisation am Sonntag das Herner Versprechen gemeinsam zu unterzeichnen. Ein starkes Zeichen der demokratischen Jugend!

    🤍💚❤️🖤🩷💛
    Das Herner Versprechen gilt. Ohne Ausnahme.
    Mit der Neugründung der AfD-Jugendorganisation an diesem Wochenende erneuern wir als Jugendverbände gemeinsam unsere Haltung:

    – Keine Kooperation mit der AfD
    – ⁠Keine politischen Vorteile aus ihr
    – ⁠Keine Normalisierung von Rechtsextremismus

    Wir stehen geschlossen für eine demokratische, offene und menschenwürdige Gesellschaft und machen deutlich, dass ihre Gegner in Herne keinen Raum gewinnen werden.

    📍 Rathausplatz Herne
    🕑 30.11.2025, 14 Uhr

    Wir erwarten euch. Haltung zeigen ist jetzt Pflicht.
    (Wir freuen uns, dass wir kurzfristig auch die @julisherne für unser Junges Herner Versprechen gewinnen konnten!)

  • SharePic zur Kundgebung "Hernes Töchter werden laut!"

    Hernes Töchter werden laut!

    Für Zusammenhalt und gegen Ausgrenzung:

    Am Samstag findet in der Herner Innenstand (Kugelbrunnen) eine Kundgebung unter dem Motto „Hernes Töchter werden laut – das Stadtbild ist bunt“ statt.

    Das Bündnis Herne begürßt und unterstützt diese Kundgebung und ruft zur Teilenahme auf!

    20251025 Herner Töchter werden laut!
    20251025 Herner Töchter werden laut!
  • SharePic "Keine Bühne den Rassisten"

    Mahnwache Wahlarena

    Die vhs Herne veranstaltet am 27.08.2025, 19:00 – 21:00 Uhr, in Kooperation mit WAZ und Radio Herne die Wahl-Arena in den Flottmann-Hallen. Alle OB-Kandidat:innen sind eingeladen, sich dem Publikum (vor Ort und im Livestream) vorzustellen.

    Auch hier wird der OB-Kandidat der noAfD teilnehmen.

    Damit wird dem Vertreter einer als gesichert rechtsextremistisch eingestuften Partei eine Bühne geboten, was wir als gefährlich ansehen. Die noAfD wird so nur noch weiter normalisiert.

    Mit unserer Mahnwache wollen wir die demokratischen Akteur:innen der Podiumsdiskussion an das „Herner Versprechen“ erinnern und die Besucher:innen der Veranstaltung zur Wahl demokratischer Parteien aufzurufen.

    Da die Aktion sich ausdrücklich nicht gegen die Veranstaltung als solche richtet, wird sie nicht so „krawallig“ wie bei anderen Gelegenheiten ausfallen; die demokratischen Kandidat:innen sollen selbstverständlich die Gelegenheit bekommen, sich störungsfrei dem Publikum vorzustellen.

    Unsere Mahnwache befindet sich vor dem Eingang der Flottmannhallen (Rondell).

    Für eine Teilnahme im Publikum der Podiumsdiskussion ist keine Anmeldung erforderlich. Da nur eine begrenzte Zahl an Plätzen zur Verfügung steht, heißt es, rechtzeitig dort zu sein.
    Einlass 18:30 – 18:55 Uhr.

  • SharePic zur Mahnwache "Das „Herner Versprechen“ – wichtiger denn je!"

    Mahnwache: Das „Herner Versprechen“ – wichtiger denn je!

    Pink gegen Rassismus?

    Der Stadtsportbund Herne hat für den 21.08.2025, 17:30 Uhr, alle OB-Kandidat:innen zu einer sportpolitischen Podiumsdiskussion eingeladen. „Alle“ schließt auch den OB-Kandidaten der noAfD, Daniel Zerbin, ein!

    Damit bietet der Stadtsportbund dem Vertreter einer als gesichert rechtsextremistisch eingestuften Partei eine Bühne, was wir als gefährlich ansehen. Die noAfD wird so nicht „entzaubert“, sondern nur noch weiter normalisiert.

    Wir laden daher zu einer Mahnwache vor der Veranstaltung ein, um die demokratischen Akteur:innen der Podiumsdiskussion an das „Herner Versprechen“ zu erinnern und die Besucher:innen der Veranstaltung zur Wahl demokratischer Parteien aufzurufen.

    Unsere Mahnwache richtet sich allerdings auch an den Stadtsportbund als Veranstalter. Der Stadtsportbund hat als eine der ersten Institutionen im vergangenen Jahr das „Herner Versprechen“ unterzeichnet. „Pink gegen Rassismus“, die Aktionswoche gegen Rassismus im Sport, ist sein absolutes Leuchtturmprojekt. Das passt für uns nicht zusammen mit der Einladung des noAfD-Kandidaten zu dieser Podiumsdiskussion, zumal der Stadtsportbund als Verein nicht an das „Neutralitäts- und Gleichbehandlungsgebot“ gebunden ist: Er muss bei seinen Veranstaltungen keine Parteien berücksichtigen, die dem rechtsextremen und damit undemokratischen Spektrum zuzurechnen sind.

    Wir haben im Vorfeld versucht, mit den Verantwortlichen beim Stadtsportbund hierzu ins Gespräch zu kommen. Eine Antwort steht bis heute leider aus.

    Als deutliches Signal an den Stadtsportbund laden wir euch daher herzlich ein, in pinker Kleidung zu erscheinen, gern mit dem „Pink gegen Rassismus“-Shirt, sofern ihr eins habt!

    Die Aktion richtet sich aber ausdrücklich nicht gegen die Veranstaltung als solche, wird also nicht so „krawallig“ wie bei anderen Gelegenheiten ausfallen; die demokratischen Kandidat:innen sollen selbstverständlich die Gelegenheit bekommen, sich störungsfrei dem Publikum vorzustellen.

    Wir treffen uns ab 16:45 Uhr in dem Zugangsweg zum Veranstaltungsort (Boxring Unser Fritz Schwarz Weiss, Am Freibad 30, Herne – Zugang vom Wananas-Parkplatz aus).

    Wer mag, kann natürlich im Anschluss an unsere Mahnwache auch im Publikum an der Podiumsdiskussion teilnehmen:
    https://www.ssb-herne.de/

  • SharePic zu "Gegen Rassismus in Herne-Süd und überall - Abgesagt"

    Gegen Rassismus in Herne-Süd und überall

    Mit Erschütterung haben wir gestern die Nachricht von dem rassistischen Vorfall in Herne-Süd erfahren. Heute müssen wir erfahren, dass dies sich offensichtlich so nicht zugetragen hat. Wir wissen nicht, was die junge Frau veranlasst hat, ihre ursprüngliche Schilderung abzugeben. Ob es der Schock des Unfalls als solches war oder ob es noch andere Beweggründe gab, sind uns unbekannt.

    Ihre ursprüngliche Schilderung hat sich für uns jedoch in eine Reihe von Vorkommnissen in Herne eingereiht, von denen wir immer wieder Kenntnis erlangen. Die Plausibilität stand daher gestern für uns nicht in Frage.

    Wir wünschen der jungen Frau in Anbetracht des zu erwartenden Shitstorms viel Kraft und Unterstützung.

  • Jörg Höhfeld (Der Schorsch aus Baukau) auf der Bühne

    Rede des Schorsch aus Baukau (Jörg Höhfeld)

    Jörg Höhfeld – Der Schorsch aus Baukau

    Tach, ich bin der Schorsch aus Baukau.

    Ich glaub, ich hab mich vertan. Ich dachte, es ging hier ums Vorsprechen, aber es geht ja ums Versprechen, ums Herner Versprechen. Da kann man mal sehen, was ein Buchstabe ausmacht. Deshalb habe ich mir heute lieber alles auf einen Zettel geschrieben.

    Aber wie immer: Es gilt das gebrochene Wort. Womit wir beim Thema wären.

    Am 13.November 2024 sagte der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz im Deutschen Bundestag: „Wir sollten vereinbaren, dass wir nur Entscheidungen auf die Tagesordnung des Plenums setzen, über die wir uns zuvor mit Ihnen von der SPD und den Grünen in der Sache geeinigt haben, sodass weder bei der Bestimmung der Tagesordnung noch bei den Abstimmungen hier im Haus in der Sache auch nur ein einziges Mal eine zufällige oder tatsächlich herbeigeführte Mehrheit mit denen da zustande kommt.“ Gemeint war die AfD.

    Das war ein Versprechen. Oder doch nur ein Versprecher? Ein einziger Buchstabe macht ja den großen Unterschied. Denn der gleiche Friedrich Merz legte am 23. Januar 2025 einen 5 Punkte Plan zur Migration vor, den er als Antrag in den Bundestag einbringen würde. Und er fügt hinzu: Mir ist es völlig gleichgültig, wer diesen Weg politisch mitgeht. Kompromisse sind zu diesen Themen nicht mehr möglich.“

    Den Rest kennt ihr. Aber zum Thema Kompromisse in einer Demokratie fällt mir dann doch was ein.

    Was passiert, wenn Kompromisse zwischen demokratischen Parteien, die ja Gegner sind und nicht Feinde, nicht mehr möglich sind?

    Dazu gibt es ein interessantes Beispiel aus der deutschen Geschichte. Vor fast 95 Jahren, am 27. März 1930, trat der letzte vom Parlament gewählte Reichskanzler der Weimar Republik, der Sozialdemokrat Hermann Müller zurück. Er führte bis dahin eine Koalition aus SPD, Zentrum, BVP, DVP, DDP, die über 301 von 491 Sitzen im Reichstag verfügte. Die NSDAP hatte 12 Abgeordnete, weil sie zuletzt 2,6% der Stimmen bei der Reichstagswahl bekommen hatte.

    Noch 15 Tage zuvor, am 12. März, war der umstrittene Young-Plan, der die Reparationen nach dem Ersten Weltkrieg regeln sollte, mit der Mehrheit von immerhin 270:192 Stimmen angenommen worden.

    Und kurz darauf zerbrach die Koalition.

    Danach wurden die Reichskanzler vom Reichspräsidenten Hindenburg eingesetzt, nicht mehr vom Reichstag gewählt. Sie hießen Heinrich Brüning (Zentrum). Franz von Papen (Zentrum, parteilos) Kurt von Schleicher und Adolf Hitler (NSDAP).

    Wir fragen uns heute, wie konnte das passieren?

    Die Parteien der demokratischen Mitte waren nicht mehr in der Lage. Kompromisse zu schließen. Es ging um die Unterstützung der Arbeitslosen, um Haushaltslöcher, um Steuererhöhungen. Kommt euch das bekannt vor?

    Die Wochenzeitung Tage-Buch schrieb damals, die DVP gehe allmählich aus der Regierung in die Opposition über. Und die Wirtschaftsverbände beklagten die vollständig verfehlte Wirtschafts- und Finanzpolitik der letzten Jahre. „Kompromisse helfen nicht mehr.“ Kommt euch das bekannt vor?

    Nun wurde immer gesagt, Bonn sei nicht Weimar. Und das stimmte ja auch. Aber wir leben jetzt in der Berliner Republik und sagt man nicht auch: Berlin bleibt Berlin?

    Geschichte wiederholt sich nicht 1:1. Aber vielleicht kann man doch aus ihr lernen. dass den Feinden der Demokratie nach und nach die Tür zur Macht geöffnet wird, wenn die Verteidigerinnen und Verteidiger der Demokratie mehr auf ihre Unterschiede als auf ihre Gemeinsamkeiten schauen.

    Bei den Reichstagswahlen 1930 erhielt die NSDAP 18,3% und 107 Abgeordnete. Brüning regierte weiter mit Notverordnungen und einem rigiden Sparkurs. Es wurde immer mehr gekürzt. Immer weniger investiert. Die Lage wurde immer schlechter, der Ruf nach einem Führer immer lauter. Auf Länderebene gab es die ersten Regierungen von bürgerlichen Parteien mit den Nationalsozialisten. Wie konnte das passieren?

    Die Brandmauer fällt nicht auf einmal. Sie bröckelt Stück für Stück.

    Sie wird einstürzen, wenn nicht alle, die die Demokratie verteidigen, sie immer wieder aufbauen.

    Wenn ein Stein rausfällt, müssen wir ihn zusammen wieder einsetzen: another brick in the wall.

    Deshalb zum Schluss meine Bitte und Aufforderung: Auch wenn es vielleicht im Moment etwas schwerfällt. Lasst den Kontakt mit allen Demokraten, auch den christlichen und freien nicht abreißen. Schubst sie nicht in das Lager der Rechten, die nur darauf warten.

    Lasst und zusammen Freiheit, Demokratie, Menschenrechte und Menschenwürde verteidigen:

    Damit nicht eines Tages unsere Enkelinnen und Urenkel fragen müssen:

    Wie konnte das passieren?

    Bis die Tage.

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