Monat: Februar 2020
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Hanau
Mein Name ist Markus Vordenbäumen.

Ich bin von Anfang an Anfang hier im Bündnis aktiv und wollte heute eigentlich nur ein paar Wörter über meine persönliche Motivation sagen und Ihnen mitteilen, wie viel Hoffnung es mir in Hinblick auf unsere Gesellschaft geben hat, mit den Menschen im Bündnis und Ihnen hier auf den Herner Plätze für eine offene und tolerante Gemeinschaft einzustehen.
Dann kamen der Abend und die Nacht.
Hanau
Wir müssen wieder Opfer eines abscheulichen und rassistischen Anschlag betrauern.
Ich bin entsetzt, traurig und wütend.
Wie viele Opfer rechtsradikaler Gewalt müssen wir noch ertragen?
Erst vor wenigen Tagen wurde eine Gruppe festgenommen, die offensichtlich genau diese Art von Anschlägen geplant hat.
Nun ist es passiert.
Menschen wurden aus ihrem Leben gerissen, nur auf Grund von Hass.
Teile der Gruppe, die verhaftet wurden, sollen in Verbindung mit der sogenannten „Bruderschaft Deutschland“ stehen. Mitglieder dieser Bruderschaft haben auch in Herne die Aufmärsche organisiert oder waren zumindest auch hier präsent.
Hanau ist auch Herne.
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Stellungnahme des Bündnis Herne zu den Vorgängen in Thüringen
Wir vom Bündnis Herne schauen fassungslos und entsetzt nach Thüringen,

wo in der vergangenen Woche der FDP-Abgeordnete Kemmerich zum Ministerpräsidenten gewählt wurde. Dies war nur mit Hilfe der Stimmen der AfD möglich.
Das Bündnis Herne ist keine politisch homogene Gruppe, das heißt, unsere Sicht auf die Situation in Thüringen ist individuell sehr unterschiedlich.
Einig sind wir uns aber in folgenden Punkten:
- Diese Wahl ist ein Schlag ins Gesicht aller demokratisch und antifaschistisch eingestellten Menschen, die sich dem gesellschaftlichen Rechtsruck entgegenstellen.
Sie ist ein Schlag ins Gesicht all derer auch hier in Herne, die den Rechtsradikalen Woche für Woche den Weg durch die Innenstadt versperren. Für uns wurde hier ganz klar eine rote Linie überschritten:
Man lässt sich nicht von Faschisten ins Amt wählen. - Wir sind fassungslos über die Instinktlosigkeit, mit der in Thüringen sowohl im Vorfeld als auch nach der Wahl des Ministerpräsidenten vorgegangen wurde:
Es wurde gekungelt, ahnungslos getan, anschließend gelogen, dann doch ein bisschen eingeräumt – und nun ist man von der Wucht der Reaktionen überrascht. - Dass die Protagonisten ihre Rückzüge aus Funktionen und Parteiämtern angekündigt haben, begründen sie mit dem Schaden, den es nun von ihren Parteien abzuwenden gilt. Wir empfinden es als beschämend, dass bei diesen Entscheidungen offenbar der Blick auf die Umfragewerte und die nächsten Wahlen den Ausschlag gegeben hat und nicht etwa die Erkenntnis, persönlich ganz und gar unanständig gehandelt zu haben.
„Wehret den Anfängen!“
Diese Mahnung haben wir alle mit auf den Weg bekommen.
Spätestens nach diesem politischen Dammbruch muss allen klar sein:
Die Zeit zu handeln ist jetzt!
Unser erstes Ziel war es, die rechtsradikalen Aufmärsche hier in Herne zu verhindern. Das haben wir möglicherweise bald erreicht.
Von Anfang an ging es uns aber auch darum, uns nachhaltig für eine tolerante, zivilisierte und anständige Gesellschaft einzusetzen.
Die Ereignisse in Thüringen bestätigen uns darin, dass unsere Aktivitäten notwendiger sind denn je.
Vielen Dank für Ihre und eure großartige Unterstützung!
- Diese Wahl ist ein Schlag ins Gesicht aller demokratisch und antifaschistisch eingestellten Menschen, die sich dem gesellschaftlichen Rechtsruck entgegenstellen.
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Warum ich ein besorgter Bürger bin
Ja, ich gebe zu: Auch ich bin ein besorgter Bürger.

Und ich möchte, dass meine Sorgen genauso ernstgenommen werden, wie es die AfD- und Pegida-Anhänger für ihre vermeintlichen Ängste einfordern.
Ja, ich mache mir Sorgen, wenn meine Religion von Terroristen missbraucht wird.
Ja, ich mache mir Sorgen, wenn ausländische Konflikte nach Deutschland übertragen werden.
Ja, ich mache mir Sorgen, dass Einsatzkräfte, Polizei, Feuerwehr oder Ärzte immer mehr angegriffen werden.
Ja, ich mache mir Sorgen, wenn seit 2016 125 Straftaten gegen Mandatsträger ausgeübt wurden.
Ich mache mir aber mehr Sorgen darüber, wenn etablierte politische Parteien sich mit Faschisten einlassen und mit deren Stimmen Ministerpräsident werden.
Ich mache mir Sorgen, wenn in Deutschland innerhalb eines Jahres 110 Angriffe auf Moscheen registriert werden und das kaum in den Medien erwähnt wird.
Ich mache mir Sorgen, wenn auf offener Straße Kippa tragende Juden oder Kopftuch tragende Mädchen angespuckt oder beleidigt werden.
Ich mache mir Sorgen, wenn an dem Tag der Auschwitz Befreiung hochrangige Politiker direkt auf Muslime zeigen und die Worte „Nationalsozialismus“ oder „Deutschland“ nicht einmal erwähnen, obwohl der Holocaust ein deutsches Verbrechen und kein muslimisches war.
Ich mache mir Sorgen, wenn Sätze wie die folgenden gesagt werden dürfen:
- “Bescheidenheit bei der Entsorgung von Personen ist unangebracht” (Jörg Meuthen, AfD)
- „Homosexuelle ins Gefängnis? Das sollten wir in Deutschland auch machen! (Andreas Gehlmann, AfD)
- „Ich würde niemanden verurteilen, der ein bewohntes Asylantenheim anzündet.“ (Marcel Grauf, Referent von Dr. Christina Baum, AfD und Heiner Merz, AfD)
- „Wir sollten eine SA gründen und aufräumen!“ (Andreas Geithe, AfD)
- „Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet!“ (Markus Frohnmaier, AfD)
- „Brennende Flüchtlingsheime sind kein Akt der Aggression.“ (Sandro Hersel, AfD)
- „Das große Problem ist, dass man Hitler als das absolut Böse darstellt.“ (Björn Höcke, AfD)
- „Das Pack erschießen oder zurück nach Afrika prügeln.“ (Dieter Görnert, AfD)
- „Immerhin haben wir jetzt so viele Ausländer im Land, dass sich ein Holocaust mal wieder lohnen würde.“ (Marcel Grauf, Referent von Dr. Christine Baum, AfD und Heiner Merz, AfD)
- „Ich wünsche mir so sehr einen Bürgerkrieg und Millionen Tote. Frauen, Kinder. Mir egal. Es wäre so schön. Ich will auf Leichen pissen und auf Gräbern tanzen. SIEG HEIL!“ (Marcel Grauf, Referent von Dr. Christina Baum, AfD und Heiner Merz, AfD)
- „Wir müssen ganz friedlich und überlegt vorgehen, uns ggf. anpassen und dem Gegner Honig ums Maul schmieren aber wenn wir endlich soweit sind, dann stellen wir sie alle an die Wand. (…) Grube ausheben, alle rein und Löschkalk oben drauf.“ (Holger Arppe, AfD)
Ich habe Angst, dass wir vor lauter Ängsten und Sorgen unsere Menschlichkeit vergessen.
Ich habe Angst, dass gesellschaftliche Gruppen gegeneinander ausgespielt werden und Hass geschürt wird.
Ich habe Angst, dass die AfD, Pegida und Co. weiter in die Mitte der Gesellschaft vorstoßen und das Klima in der offenen Gesellschaft vergiften.
Und ja, ich habe Angst, dass all meine Sorgen und Ängste Realität werden, wenn man auf die Sorgen und Ängste der „besorgten Bürger“ eingeht, ihnen den Raum überlässt und die Demokraten es sich gemütlich machen.
Lasst uns aber nicht von unseren Ängsten leiten und verwalten. Jetzt erst recht werden wir uns noch stärker für die Gesellschaft einsetzen, für ein friedliches Miteinander arbeiten, uns öffnen und zeigen, dass unsere Demokratie wehrhaft bleibt und unsere Ängste nicht von Rechten oder Extremisten instrumentalisiert werden.


